Wir sind Helden – Soundso (Pop-Rock)

Sind die Helden noch Helden? Das dritte Album einer Band ist bekanntlich das kritischste. Mit dem ersten Album ist man Newcomer und per se gut, auf das zweite kann man die Sachen raufpacken, für die auf dem ersten kein Platz mehr war. Erst beim dritten gilt es: Top oder Flop, Hit oder Gurke, Senf oder Ketchup?

Erwartungsgemäß hat auch die neue Helden-CD einen Durchmesser von 12cm und in der Mitte ein Loch. Das ist praktisch, denn so passt sie in jeden handelsüblichen CD-Player. Test bestanden (das Loch ist übrigens kein Rückgabegrund).

Auf vielfachen Wunsch teste ich seit neuestem auch den Inhalt der CD. Here we go…

Sag mal – Du hast doch gerade nichts zu tun
Erklär mir Arbeit –
Arbeit? Ja.

So geht’s los, mit der (Ode) An die Arbeit. Das Stück ist schonmal sehr vielversprechend, eins und zwei und eins und zwei rocken wir uns durch Judith Holofernes Definition von Arbeit. Flott zum nächsten Stück.

Die Konkurenz schläft nicht. Das wissen auch die Helden und liefern mit diesem Lied die Antwort auf die Vorwürfe an jene Kritiker, die denen Helden mangelndes Linkstum vorwerfen. Oder sie kritisieren die Ellenbogengesellschaft. Je nach Lesart. Und wie sie das tun, Wippeffekt inklusive – klasse.

So oder so, besser Soundso, kommt danach schon der Titelsong. Denkt man zumindest. Oder sind da doch auf einmal die Scorpions ins Laufwerk gerutscht? Pfui, was haben denn die Metal-Balladen-Gitarren auf einem Heldenalbum zu suchen? Für einen Titelsong ist Soundso ziemlich schwach (zumindest musikalisch gesehen). noch schlimmer, der Song ist der Auftakt zum schlechtesten Part des Albums.

Schon der Titel des vierten Stücks ist bezeichnend: Für nichts garantieren. Klingen die ersten instrumentalen Akkorde ganz nett, erschrickt den aufmüpfigen Hörer plötzlich die Stimme von Francesco Wilking (Tele, steht so im Cover, ich weiße jeder Kenntnis von mir). Wer hat den denn auf dieses Album gelassen? Beim wiederholten Hören stellt sich zwar eine Art Gewöhnungseffekt ein, aber das ist wohl kaum Sinn und Zweck der Sache. Ein Glück, dass der Text vergleichsweise belanglos ist, da geht nicht zu viel verloren.

Kaputt ist der nächste Song, sowohl betitelt als auch im Wesen. Das Grauen beschränkt sich zwar hauptsächlich auf den Refrain, aber ein dahergepoptes „AaahaaaAAaahaaa“ brauchen wir nun wirklich nicht, noch dazu dieser unappetitliche Klanbrei. Lieber schnell weiter.

Durchaus gut rüber kommt Labyrinth, das Tief scheint überstanden zu sein.

The Geek (Shall Inherit) geht trotz des eher öden Titels gut in den Gehörgang und bildet einen guten Übergang zur bereits bekannten Single Endlich ein Grund zur Panik, die wohl kaum zu einem passenderen Zeitpunkt hätte veröffentlich werden können (G8). In einem Satz den Zusammenhang zwischen G8 und Krieg herzustellen ginge jetzt vielleicht zu weit, daher nenne ich einfach den nächsten Titel.

Der Krieg kommt schneller zurück als du denkst ist wohl das Beste Stück auf Soundso und lohnt ein Zitat:

Wie weit ist weit genug weg
Wie weit ist weg
Wie weit? Was sind sechzig Jahre? Ein Wimpernschlag
in der Zeit

Wie lang ist lange vorbei
Wie lang wann ist es vorbei
Wie lang ist langweilig lang
wir waren schon lang nicht dabei

Was ist so lustig?
Was ist so lustig an Liebe und Frieden?
Was ist so lustig?

Der Krieg kommt schneller zurück als du denkst
Du kriegst zurück was du verdrängst.

So deutliche Kommentare zum neuen deutschen Nationalstolz wünschte man sich von mehr Bands.

Hände hoch ist schon ziemlich elektronisch, geht aber noch in Ordnung. Die letzen zwei Stücke Stiller und Lass uns verschwinden sind zwei gute Balladen, insbesondere das erstere hat einen wunderschönen Refrain.

Alles in allem haben Wir sind Helden sich mit Soundso sicherlich kein Denkmal gebaut, vor allem die Rückkehr zu den elektronischen Elementen des ersten Albums ist streitbar, stört aber nicht halb so sehr wie das „Trio Terrible“ (Track 3-5).

Ein gutes Album ist es trotzdem geworden.

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