“Wir möchten nur darauf hinweisen, dass diese Branche einen Teil ihres guten Geldes auch mit üblen Produkten verdient.”

Jaja, diese Banken. Was? Ach so, es geht um Killerspiele. Alles klar. Die sind auch schlimm, wie das ZDF schön regelmäßig der zusehenden Bevölkerung rücksichtsvoll vermittelt.

So auch gestern wieder, im Heute-Journal, zu sehen in der Mediathek unter Brutale Computerspiele – Forscher warnen.

Am Anfang ein vorgeschobener Grund für den Bericht (übrigens von, wer hätte es gedacht, Rainer Fromm – macht der Kerl eigentlich auch was anderes?): Die Deutschen Gamestage 2009 in Berlin, „eine moderne, verantwortungsvolle Branche mit Wachstumsaussichten“. Bla bla.

Dann zoomt die Kamera auf den Moderator, jetzt kommt also der wichtige Teil:
Quote:

Da möchten wir auch keineswegs in die Suppe spucken, wir möchten nur darauf hinweisen, dass diese Branche einen Teil ihres guten Geldes auch mit üblen Produkten verdient. Und daran sind wir im Grunde selber Schuld, denn das, was unser Reporter Rainer Fromm zusammengetragen hat, das ist alles völlig legal. Und wenn man kein in nächtelangen Computerspielschlachten gestählter Jugendlicher ist, dann sind viele dieser Szenen schwer zu ertragen.

Damit ist eigentlich alles zum folgenden Beitrag gesagt. Dabei wird schon in der Anmoderation die Qualität des folgenden deutlich. Drei der „vorgestellten“ vier Spiele haben von der USK die Einstufung „Ohne Jugendfreigabe“ erhalten, sind also mitnichten für die nächtelang computerschlachtenden Jugendlichen legal erhältlich. Folgerichtig wird die Alterseinstufung auch nur zum vierten Titel, GTA San Andreas erwähnt, der bereits ab 16 Jahren erhältlich ist.

Aber man schaue selbst. Gunnar Lott hat sich noch ein wenig intensiver mit dem Beitrag auseinander gesetzt: Das ZDF, Rainer Fromm, Lügen und Propaganda.

Natürlich ebenfalls wieder lesenswert: Die Gamestar mit Kleine Fehler, große Lügen.

Aufgrund des Kommentars von Koloradokäfer hier doch noch ein paar Anmerkungen:

Natürlich ist die Darstellung von Gewalt immer auch eine Geschmacksfrage, und ich möchte ganz bestimmt nichts verharmlosen. Ich bin aber auch der Meinung, dass Erwachsene in solchen Dingen wohl selbst entscheiden dürfen sollten, was gut ist und was nicht. Denn das ist, wie gesagt, auch eine Frage des Geschmacks – es mag ja auch nicht jeder Horrorfilme oder die Werke von Tarantino.

Dieses Gefühl des Ekels, das die Bilder bei dir erzeugen, ist natürlich zu einem nicht unerheblichen Teil der Meinungsmache des Magazins geschuldet, die ja das eigentliche Problem ist.

Zu den Szenen:

Das erste Spiel ist Resident Evil 5, Zombie-Horrorspiel (heute nennt es ein „Action-Gewalt-Spiel“). Da geht es natürlich nicht zimperlich zu, ebenso wenig wie in Büchern oder Filmen zum Zombiethema. Nun könnte man sich wieder darum streiten, welchen Unterschied es macht, es zu lesen, zu sehen oder selbst zu tun. Darauf möchte ich hier aber (fast) verzichten und nur anmerken, das ich die stärksten emotionalen Reaktionen immer beim Lesen von Büchern hatte. Das Spiel ist nur für Erwachsene freigegeben.

Spiel Nummer 2 ist Call Of Duty, ein Kriegsshooter. Der Moderator spricht von einer „sadistischen Rahmenhandlung und Massenerschießungen“. Diese Handlung kann man sich auf Wikipedia durchlesen, sadistisches finde ich da nicht. Die angesprochene Massenerschießung (es ist eine) findet in einer Zwischensequenz statt, in der der Spieler selbst nicht teilnimmt, sie soll nicht zu Ergötzung dienen, sondern zur Erschütterung, zu Charakterisierung des Gegners. Filmargument siehe oben. Das Spiel ist nur für Erwachsene freigegeben.

Das nächste Spiel ist GTA San Andreas. GTA sollte wohl mittlerweile auch Unbedarften ein Begriff sein. Kurz gesagt, ein Action-/Rennspiel in einer offenen Welt. Ja, man kann Autos klauen, ja, man kann unschuldige Passanten mit Schaufeln schlagen. Ich kenne niemanden, der das so auch macht. Schon gar nicht wird es vom Spiel gefordert oder belohnt. Das es aber möglich ist, macht das Spielerlebnis insgesamt interessanter. Das Spiel ist ab 16 freigegeben.

Die letzten Szenen stammen aus dem Ego-Shooter Prey. Nicht ohne Absicht betonte der Kommentator hier die Übersetzung Die Beute, auf eine Art, als sei dies als Untertitel des Spiels (ist es nicht) und perverse Beschreibung zu verstehen. Beute bezieht sich wohl viel mehr darauf, dass der Hauptcharakter, ein Indianer, von Außerirdischen entführt wird. Im Spiel bekommt man dann Szenen zu sehen, in denen Menschen von den Außerirdischen brutal gefoltert werden. Der Spieler selbst tut das nicht. Ich würde hier also so argumentieren, wie auch bei Call Of Duty. Das Spiel ist nur für Erwachsene freigegeben.

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6 Antworten auf “Wir möchten nur darauf hinweisen, dass diese Branche einen Teil ihres guten Geldes auch mit üblen Produkten verdient.”

  1. Koloradokäfer sagt:

    Du magst sicher recht haben, wenn du sugerierst, dass der Beitrag politisch verfärbt ist. Aber eins möchte ich dazu mal sagen:
    Ich finde die Bilder die dort gezeigt werden ekelerregend, eigentlich sogar absolut wiederlich. Realitätsnahe Computerbilder von Massakern richten bei mir das selbe flaue Gefühl im Magen hervor, wie Fernsehbilder von Massakern. Rein rechtlich ist es natürlich ein Unterschied, ob man 10 Menschen virtuell ermordet oder in Realität. Für ersteres kann man nicht ins Gefängnis kommen und das ist auch richtig so.
    Ich halte es auch für förderwürdig potentielle Spieler dazu zu bewegen sich solche Spiele nicht zu kaufen. Ein Verbot wäre da aber nicht richtig, da andere Menschen nicht negativ davon betroffen sind, wenn jemand virtuelle Erschießungen vornimmt. Höchstens durch den Lärm. Aber dafür gibt es andere Gesetze 😉

  2. Koloradokäfer sagt:

    Mist, wieder Rechtschreibfehler im Kommentar übersehen 😛

  3. Sam sagt:

    Ein gewisser Mitverfolger dieses Blogs hat vor nicht allzu langer Zeit auf seinem Blog ein Video zum Tokyo-Hotel-Prinzip veröffentlicht. Vom gleichen Autor stammt das folgende Video, welches zum Thema dieses Posts passt und vielleicht auch einen Blick wert ist…
    http://www.sinn-los.de/spezi2.html

  4. onkelerika sagt:

    @Koloradokäfer: Danke für deinen Kommentar, da die Antwort länger wurde als der eigentliche Beitrag habe ich sie oben angefügt. Weiterdiskutiert wird aber hier unten 😉

    @Sam: Herrlich bescheuertes Video 😀

  5. Koloradokäfer sagt:

    Das Video: Fein 🙂

    Brutale Bücher: Ich gebe dir recht, dass Bücher möglicherweise sogar größeren (wenigstens ähnlich großen) Ekel auslösen können. Das ist allerdings abhängig von der Phantasie und die ist wiederum geprägt durch Erfahrungen. Erfahrungen von Ekel, der Form wie er oben beschrieben ist, kann man entweder erlangen, indem man selbst bei einem Masaker / oder einem “einfachen Mord” beteiligt war (Täter / Opfer), durch Filme, Computerspiele, Fotos oder Bildsequenzen in Nachrichtensendungen. Dazu mal ein Gedankenspiel:

    Szenario “Weiß”: Überall herrscht Frieden. Die extremste Form von Gewalt, die nur in sog. “Bürgerkriegsländern” vorkommt und in den Nachrichten präsentiert wird ist, dass einer zum anderen “Arschloch!” sagt. Gesine S. ist Bürgerin dieser Gesellschaft. Sie liest ein Buch, in dem das Wort “Arschloch” vorkommt.

    Szenario “Schwarz”: Heutige Situation. Horst K. ist Bürger dieser Gesellschaft. Er liest ein Buch, in dem beschrieben wird, wie man jemanden mit Stromstößen foltert, ihm ins Gesicht pinkelt und der Reihe nach alle Zehen abschneidet.

    Ich denke, dass sich Gesine und Horst in ihrem jeweiligen Szenario gleichermaßen ekeln. Schuld ist also in diesem Zusammenhang, zumindest nicht direkt, das Buch, da es ja nur den gesellschaftlichen Kontext wiedergibt.
    Bei Computerspielen ist das nicht anders. (Ich spreche jetzt von den sogenannten “Gewaltspielen” oder “nicht-jugendfreien Spielen”.) Im Wesentlichen wird dort ja auch nur wiedergegeben, was in unserer Gesellschaft vorkommt: Militärelitekämpfer bringen Kinder um, missbrauchen sie oder Soldaten führen “sinnlose” Erschießungen aus Angst, Spaß oder Überreaktion durch. Folter und Kriminalität in Vorstädten (-> GTA) kommen ja auch real (zumindest in ähnlicher Form) vor. Das Verbot der Folgen wird (wie ich ja oben schon kundtat) die Ursachen nicht beseitigen.
    Angesichts des Gedankenexperiments (die beiden Szenarien) kann man sich auch die Frage stellen, ob es “uns” besser gehen würde, wenn man die Ursachen abstellt. Aber das ist jetzt schon philosophisch.

    Mir fällt noch mehr ein: Vor einer Weile habe ich einen Thriller gelesen (Name weiß ich gerade nicht) in dem jemand überfallen wurde. Er wurde ausgezogen und dann wurde ihm die Haut mit Käsereiben abgeschabt, damit dann Geier über ihn herfallen sollten oder so ähnlich. Der Autor hatte das auch recht genau beschrieben. – Da hatte ich einen Punkt erreicht, an dem ich mir nicht sicher war, ob ich noch weiterlesen will

  6. onkelerika sagt:

    Prinzipiell bist du also der Meinung, das der Grad fiktionaler Gewalt und das Empfinden extremer Gewalt davon abhängt, welche Gewalt tatsächlich um uns herum geschieht, richtig?

    Dem würde ich mit einer gewissen Einschränkung zustimmen. Die Darstellung von Konflikten in Kunst und Medien ist immer auch beeinflusst von echten Konflikten.

    Allerdings kann fiktive Gewalt auch Extremsituationen darstellen, die nicht oder nur abstrakt auf der Realität oder persönlichen Erfahrungen beruhen (Aliens, Zombies, auch Kettensägenmassaker dürfen die wenigsten Leute schonmal “richtig” gesehen haben).

    Ausgehend davon würde ich sogar behaupten, dass, nachdem der Menschheit nun so viel Gewalt bekannt ist, die Beseitigung der echten Gewalt die fiktive Gewalt nicht im großen Maße beinträchtigen würde (oder nur auf sehr lange Zeit gesehen).

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