Willkommen bei den Sch’tis

„Hääääh?“ schollte mit Schisserheit die häufigschte Reaktion auf die Nennung dieschesch Filmtitelsch schein, gefolgt von ablehnender Unkenntnisch. Ein bisschsen verwunderlis, haben die Kritiker dem Erfolschfilm aus Frankreis doch Höchschtnoten gegeben – gansch abgeschehen von den einundzschwanschig Millionen begeischterten Frantschoschen.

Der besseren Lesbarkeit halber verzichte ich ab jetzt wohl lieber auf das Sch’ti. Hääääh? Sch’ti ist quasi die mehr oder weniger heimliche Hauptfigur in diesem französischen Film: Denn Sch’ti ist der Dialekt der im Süden gefürchteten Nordfranzosen.

Im Mittelpunkt steht eigentlich der Postbeamte Philippe Abrams, der sich seiner Frau zu Liebe um eine Versetzung ans Mittelmeer bemüht. Nachdem er wiedereinmal zurückgestellt wurde, diesmal wegen eines Behinderten, versucht er sich selbst als behindert auszugeben. Seine Versetzung wird Philippe dann auch bewilligt – allerdings nicht in den warmen Süden, sondern in den kalten Norden. Den eiskalten Norden. Jenen Norden, in dem die unfreundlichen Menschen diesen schrecklichen Dialekt sprechen.

Für die deutsche Version von Willkommen bei den Sch’tis wurde extra ein neuer Dialekt geschaffen. Dieser vertauscht „s“-ähnliche Laute mit „sch“ und umgekehrt, außerdem werden einige Wörter und Phrasen durch lustigere ersetzt. Nun noch an das Ende jeden zweiten Satzes ein „Häääääh?“, schon spricht man perfektes Sch’ti. Das wunderbare daran ist, dass zu Anfang des Films auch der Zuschauer nicht alles versteht, mit der Zeit aber, zusammen mit Philippe, sogar das Sprechen in Sch’ti lernt.

Aber Willkommen bei den Sch’tis zieht seinen Witz nicht nur aus dem Dialekt. Da wären auch noch die Psychomutter, die ihrem Sohn Antoine Bailleul und dessen Freundin Annabelle schwer zu schaffen macht, die Autofahrten zwischen Arbeit und Post und vieles mehr. Allein das gemeinsame Austragen der Post von Philippe und Antoine sorgt für minutenlange Lachkrämpfe.

Der Film gleitet dabei im Gegensatz zu vielen deutschen Kinokomödien niemals in dummen Blödsinn oder niveaulose Gefilde ab. Es spielt auch keine Rolle, dass außerhalb unseres Nachbarlandes wohl niemand von diesem Nord-Süd-Klischee weiß.

Ich kann Willkommen bei den Sch’tis nur jedem ans Herz legen: Man sollte sich vom etwas sperrigen und suchmaschinenfeindlichen Titel nicht abschrecken lassen, sonst verpasst man einen der schönsten Filme dieses Kinojahres.

-> Offizielle Webseite, mit Trailern und Sprachsamples

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Eine Antwort auf Willkommen bei den Sch’tis

  1. Koloradokäfer sagt:

    Wieder eine sehr feine Kritik! Vielen Dank für die Bereicherung, ich hab mich beim Lesen noch im Rückblick auf den Film amüsiert.

    Mein Testurteil: Sollte man im Kino gesehen haben!

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