We Feed The World (Dokumentarfilm)

Eins vorm Verriss: Der Schluss entschädigt für vieles. Soviel sei gesagt, doch beginnen wir am Besten am Anfang.

In Wien wird täglich soviel Brot weggeworfen, das man damit die Stadt Graz einen Tag lang ernähren könnte. Hybridauberginen sehen zwar todschick aus, schmecken aber nicht. Lecker Fisch ist steif, Pfuifisch ist wie Gummi. Streusalz kostet mehr als Weizen.

Dies und mehr erfährt man im Österreichischen Dokumentarfilm „We Feed The World“, der den Handel, die Herstellung und die Verteilung von Nahrungsmitteln in Zeiten einer globalisierten Welt kritisch beleuchtet, was durchweg interessant ist und auch zu häufigem, zustimmendem Nicken führt. Zu Wort kommen ausschlielich Betroffene (Fischer, Bauern) und Betroffen-Machende (Konzernmitarbeiter) selbst, einen Kommentar aus dem Off gibt es nicht, falsche Schlüsse muss also jeder selbst ziehen.

So löblich dieses Konzept auch sein mag, so unsinnig wird es dann, wenn die Bilder für sich sprechen sollen. Denn leider bleiben diese überwiegend stumm, so dass der Zuschauer teils in eine minutenlange Leere gestürzt wird, eine absolute Sünde für ein Film dieses Genres.
Noch dazu gibt es zwischen den einzelnen Episoden nichts, was einen globalen Zusammenhang herstellt. Zwar werden einzelne Firmen an den Pranger gestellt, doch geht der Film nicht den nötigen nächsten Schritt zur Kritik am kapitalistischen System, das diese Ausbeutung und Unvernunft im Umgang mit der weltweiten Nahrungssituation erst zulässt. Unverständlich, warum der Film diese letzte Konsequenz nicht offenbart. Stattdessen werden gegen Ende der Dokumentation die vorher überwiegend sachlich erzeugten Impressionen durch eine sinnlose „Mitleid-mit-Tieren“-Episode entwertet, die in ihrer inhaltsarmen Ausführlichkeit dem Ansinnen des Films eher schadet als nützt.

Doch dann, und allein das war den Besuch wert, kommt die überragende Schlussepisode: Der Chef von Nestlé, dem weltweit größten Lebensmittelkonzern, erklärt uns höchstpersönlich seine Sicht der Welt. Welche Welt dies allerdings ist, in der „wir alle lange leben, gesund sind und viel Geld haben“, das sagt er leider nicht.

Als Kinofilm gesehen hätte „We Feed The World“ noch eine deutlich schlechtere Wertung bekommen, obwohl er sich natürlich positiv vom Hollywood-Einheitsbrei abhebt. Als mittlerweile kostengünstiger „Heim“film ist er aber keine schlechte Empfehlung, denn die Qualität einer (sehr) gut gemachten Fernsehdokumentation hat er alle mal.

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