Waltz with Bashir

Um die im Libanon erstarkte PLO zu schwächen und teilweise zu zerschlagen, begann Israel unter seinem Regierungschef Menachem Begin am 6. Juni 1982 mit einem Angriff auf den Libanon. Ziel war die Zerschlagung der militärischen PLO-Organisation durch den Vormarsch bis Beirut, von wo aus die PLO ihre Aktionen koordinierte. In Westbeirut wurden rund 10.000 PLO-Kämpfer von den israelischen Truppen eingeschlossen und zur Kapitulation aufgefordert. Während der Belagerung kam es zu Massakern in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila durch die maronitische Phalange-Miliz. (aus Wikipedia)

Ari Folman, Regisseur und Hauptdarsteller des Films, hat die Ereignisse des Libanonkriegs fast komplett vergessen. Erst das Gespräch mit einem Freund, der wegen der damaligen Geschehnisse immer wieder den gleichen Albtraum hat, weckt in Folman das Bedürfnis, sich seiner Vergangenheit zu stellen. Durch Gespräche mit seinen ehemaligen Kampfgefährten gelingt es ihm, sich Stück für Stück weiter zu erinnern.

Nun wollte der Regisseur zwar eine Dokumentation seiner Reise machen, nach eigener Aussage aber das aus dem Fernsehen altbekannte Format „(Mittel-)alte Menschen reden vor schwarzem Hintergrund über ihre Vergangenheit“ auf jeden Fall verhindern. Dies ist ihm eindrucksvoll gelungen, auf eine Art und Weise, die man sich ohne den Film gesehen zu haben nur schwer vorstellen kann.

Denn die Gespräche und Interviews, die Folman geführt hat, werden in Waltz with Bahir nicht als Filmaufnahmen, sondern gezeichneter Trickfilm gezeigt. Die Zeichnungen sind überwiegend eher grob gehalten, was sehr zum Thema passt, und wirken ein wenig wie in A Scanner Darkly. Dort wurde aber Filmmaterial erst im Nachhinein stark verfremdet, während hier (fast) alles gezeichnet wurde. Durch diese Art der Darstellung bekommt Waltz with Bashir eine ganz eigene Ausdruckskraft und Intensität.

So kann der Regisseur die Gedanken der Soldaten als das darstellen, was sie sind: Fetzen von Erinnerungen, durch das Gehirn als Schutzmechanismus teilweise verdrängt, beschönigt, ausgeschmückt. So verwundert es auch nicht, dass Bild und Sprache nicht immer genau zusammen passen wollen. Eher ist die Sprache die Erinnerung des einen, das Bild dazu aber die Vorstellung des anderen.

Mit fortschreitendem Erinnerungsprozess Folmans werden auch die Kriegsbilder immer bedrückender. Doch nicht nur der Kampf selbst verstört. Während seines Fronturlaubs begnet dem jungen Soldaten in seiner Heimat eine Welt, die mit dem Leid und Tod in Beirut im krassen Gegensatz steht. Hier fürchten sich die Leute nicht vor Bomben und Scharfschützen, sondern feiern ausgelassen und ignorant das Leben der 80er. Zur Vorgeschichte des Konflikts erfährt man allerdings leider nichts.

Ähnlich wie Gomorrha (dessen Kritik hier leider unvollendet unter den Entwürfen dahinsiecht), ist Waltz with Bashir kein im eigentlichen Sinne schöner Film. Vielmehr lässt er den Zuschauer mit einem flauen Gefühl im Magen sitzen, dass durch einen besonderen Kunstgriff noch verstärkt wird. Allerdings durchaus einer, den man sich trotzdem mehrfach anschauen könnte.

Außerdem widerlegt dieser Film das meiner Meinung nach speziell deutsche Vorurteil, dass das Genre des Trickfilms per se für Kinder gedacht sei.

Außerordentlich empfehlenswert.

-> Offizielle Webseite zum Film, mit Trailer und mehr

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