The Exploding Girl

Die junge Studentin Ivy hat nicht nur Semesterferien, sondern auch sporadische Epilepsieanfälle. Erstere verbringt sie zuhause bei ihrer Mutter, zusammen mit ihrem Schulfreund Al, der sein Zimmer in der elterlichen Wohnung bei der Ankunft untervermietet vorfindet. Auch zuhause, aber woanders, ist Greg, Ivys Freund. Die beiden rufen sich ab und zu mal an, haben sich aber zu Beginn nicht viel zu sagen, später noch weniger. Dafür verstehen sich Ivy und Al umso besser …

Die Geschichte von The Exploding Girl (Trailer) verspricht nicht gerade ein packendes Abenteuer. Der Film versucht auch gar nicht erst, einen klassischen Spannungsbogen aufzubauen. Stattdessen studiert er vergleichsweise banal das Leben von Ivy und Al – Greg hört man nur am Handy. Das Handy spielt generell eine dominierende Rolle. Ivy ruft Greg an. Ivy ruft Al an. Greg ruft Ivy an. Ivy ruft ihre Mutter an. Al ruft Ivy an. Gefühlte achtzig Prozent der Gespräche finden am Handy statt. Dabei sind die Telefonate selten kommunikativ, weit mehr als ein „Hey. – Hey. – Hi. – Und?“ haben sich Ivy und Greg selten zu sagen. Wenn doch, dann kommt nichts gutes.

Dabei entwickelt der Film einen faszinierenden Stil. Die Kamera ist ein beinahe zufälliger Beobachter. Fast immer füllt Ivy einen Großteil des Bildes aus, man sieht nie einen größeren Abschnitt der Umgebung, keine Straßenzüge, meist Autos, selbst von denen nie ein ganzes. Durch das Bild laufen viele Leute, vor und hinter den Darstellern. Nur subtil wird angedeutet, dass die Geschichte in New York spielt. Die Geräuschkulisse unterstreicht das. Musik gibt es nur im Kontext des Films, etwa auf einer Party. Dafür sind die Umgebungsgeräusche ungewohnt laut und detailreich, selbst für den Originalton.

Ohne Kitsch, ohne „überspielte“ Gefühle beobachtet The Exploding Girl eine Freundschaft, die sich auf dem schmalen Grad zu mehr als nur Freundschaft befindet. Da wird nichts ausgesprochen, sondern fast nur durch Gesten, Blicke, Pausen vermittelt. Dass hier tatsächlich die Figuren im Zentrum des Films stehen, zeigt auch der Abspann – die Schauspieler werden zuerst genannt.

Auf diese Art ist der Film dann doch fesselnd, weil er sich so gar nicht an Konventionen halten will. Wer sich darauf nicht einlassen kann, der mag den Film schnell als langweilig empfinden.

Schade, dass ich hier nicht mehr nach Punkten bewerte. Sonst könnte ich jetzt schreiben, dass man diesen Film unmöglich nach Punkten bewerten kann.

In meinen Augen sehenswert, wenn man Experimenten nicht abgeneigt ist.

Der Film läuft zur Zeit OmU im Thalia (Dresden) und auch noch woanders.

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