Sweeney Todd

Wer Filme gern im englischen Original genießen möchte, der kann dies unter anderem Sonntags und Mittwochs 20 Uhr im Ufa-Filmpalast tun, für recht günstige 4€ die Karte. Doch sollte man sich bewusst sein, dass wer zu oft diesem Etablissement einen Besuch abstattet, eventuell mehrfach exakt die gleiche Abfolge der Kinowerbung ertragen muss – dabei kann Kinowerbung doch so schön.

Aller Frust ist aber vergessen, wenn die ersten Orgelklänge auf den Zuschauer und -hörer eindringen. Schon der Vorspann macht unmissverständlich klar: Dieser Film ist nichts für zartbeseidete Naturen. Blut, düstere Bilder, düstere Klänge.

There’s a hole in the world
Like a great black pit
And the vermin of the world
Inhabit it
And its morals aren’t worth
What a pig could spit
And it goes by the name of London

Benjamin Barkers (Johnny Depp) Hass auf London ist wohl begründet. [more] Vor 15 Jahren wurde der ehemalige Barbier hier von Richter Turpin (Alan Rickman, aka Snape) aus Neid und Gier seiner Frau, seinem Kind und seiner Freiheit beraubt. Die lange Zeit in Gefangenschaft und Zwangsarbeit haben tiefe Spuren in Barkers Psyche hinterlassen. Vergeltung ist sein einziges Ziel. Um seine Ziele zu erreichen verbündet er sich mit Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter), bislang Bäckerin der schlechtesten Fleischpasteten Londons (Hauptzutat Katze). Die blutigen Rachegelüste des Barbiers, der sich zur Tarnung nun Sweeney Todd nennt, und die Geschäftsinteressen Mrs. Lovetts haben einen eher ungewöhnlichen gemeinsamen Nenner …

Anders als man vielleicht befürchten mag, gewöhnt man sich sofort an die Musicalform des Films. Die dreckigen, trostlosen, fast monochromen Bilder der Stadt und die dramatischen Klänge des Orchesters bilden mit dem Gesang der Darsteller eine unheimlich fesselnde, schaurige Einheit. Nur selten wird diese Atmosphäre durch hellere Farben und liebliche Klänge durchbrochen – Fetzen der Erinnerung und der Träumerei. Getanzt wird glücklicherweise fast nicht, wenn doch, dann passt es auch.

Todds Beruf lässt erahnen, auf welche Art und Weise er sich Genugtuung verschaffen wird. So verwundert es nicht, dass nicht alle Köpfe an ihrer rechten Stelle bleiben. Die Menge Blut, die dabei verbraucht wird, ist allerdings außerordentlich. Wer eine schwachen Magen hat sollte sich fernhalten. Die FSK hat dem Film eine Jugendfreigabe ab 16 Jahren erteilt, was mir allerdings zu gering erscheint (und das soll etwas heißen). Hier tropft, fließt und spritzt der Saft des Lebens eimerweise. Dazu kommen noch verschiedene andere Ekligkeiten.

Sweeney Todd hat aber auch seine amüsanten Momente, etwa wenn der Barbier und die Bäckerin sich darüber ergehen, welche Leute wohl die leckerste Fleischpastete ergeben:

What is that?
It’s priest. Have a little priest.

Is it really good?

Sir, it’s too good, at least!
Then again, they don’t commit sins of the flesh,
So it’s pretty fresh.

Awful lot of fat.

Only where it sat.

Haven’t you got poet, or something like that?

No, y’see, the trouble with poet is
‚Ow do you know it’s deceased?
Try the priest!

Heavenly!
Not as hearty as bishop, perhaps,
but then again, not as bland as curate, either!

And good for business, too — always leaves you wantin‘ more!
Trouble is, we only get it on Sundays!
Lawyer’s rather nice.

Sweeney Tod ist ein Kunstwerk, nervenaufreibend, irritierend, brutal und doch wundervoll und sehenswert. Ob der Grad der Gewalt wirklich so hoch sein musste darf natürlich angezweifelt werden, als störend habe ich ihn aber nicht empfunden (Kommentar der Freundin: Naja, so blutig war der Film gar nicht. Also das Blut war zu hell.. So kann CSI die Menschen abstumpfen lassen.). Die deutsche Version ist wohl nur untertitelt, die Lieder werden original gesungen. Nicht ganz einfach, aber sehr stimmig.

Vollste Empfehlung!

-> Webseite und Trailer

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Eine Antwort auf Sweeney Todd

  1. Siao-Jyuan sagt:

    Was soll ich dazu noch sagen? Du hast schon alles geschrieben was ich sagen möchte.;p

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