Rumo & Die Wunder im Dunkeln

„Darf ich Ihnen den Finger ins Ohr stecken?“ – „Ich bestehe darauf.“

Das ist nicht etwa ein sexueller Fetisch, sondern Teil eines komplizierten medizinischen Eingriffs mit dem eine Haifischmade und ein Eydeet einer Wolpertingerin das Leben retten.

Wolpertinger? Eydeeten? Haifischmaden? Bahnhof?

Aaalso, Wolpertinger, Eydeeten und Haifischmaden leben alle auf dem Kontinent Zamonien, der sich wahrscheinlich in der Mitte des Atlantiks befindet oder befand. Das weiß man nicht so genau. Ist auch nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass Zamonien eine ungeheure Vielfalt an verschiedenen Daseinsformen hat, wie zum Beispiel die fliegenden …

Nein, das führte jetzt zu weit.

Nochmal ganz anders. Rumo & Die Wunder im Dunkeln ist ein Roman von Walter Moers und als solcher ein Teil der Zamonien-Romane, die sich alle um den fiktiven Kontinent Zamonien und seine Bewohner drehen. Eingeführt wurde Zamonien in Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär, dass die Geschichte der ersten Hälfte des Lebens von Käpt’n Blaubär erzählt, der auch in seiner Urform von Moers stammt. In diesem Roman erfährt man die meisten Fakten über Zamonien, da der Protagonist so ziemlich den ganzen Kontinent bereist und mit verschiedensten Geschöpfen zusammenkommt – immer detailreich erklärt durch lexikonartige Einschübe, verfasst durch Prof. Dr. Abdul Nachtigaller, der auch in den anderen Büchern immer mal wieder eine Rolle spielt. Im Gegensatz zum Blaubär aus der Sendung mit der Maus richtet sich der zamonische Blaubär deutlich an ein erwachsenes Publikum.

Weitere Bücher über (und aus) Zamonien sind Ensel und Krete, Die Stadt der Träumenden Bücher, Der Schrecksenmeister und eben Rumo & Die Wunder im Dunkeln. Die Geschichten folgen keinem festgelegten chronologischen Faden, sondern passieren teilweise sogar parallel. Ein Quereinstieg sollte also kein Problem sein.

All den Romanen gemein ist die ungeheuer fantasievolle und extrem detailreiche Beschreibung des Kontinents und seiner Bewohner eigen. Moers spielt mit der Sprache, mit den Worten, mit der Typographie (im Blaubär gibt es einen Abschnitt in dem das Wort BROMM! immer größer und fetter wird, bis es eine ganze Seite ausfüllt). Vor allem aber spielt Moers mit den literarischen Genres. Alle vereint zwar das fantastische, die Ausprägungen sind aber sehr verschieden. Kann man den ersten Roman vielleicht als Reisebericht interpretieren, ist Die Stadt der träumenden Bücher ein Literaturroman (laut Wikipedia sogar ein Bildungsroman) und Rumo schließlich ein Abenteuerroman und Heldenepos.

Gerade als Rumo von Zamonien, wie er sich später nennt, seine ersten Zähne bekommt, wird er von Teufelszyklopen auf deren schwimmende Insel verschleppt, auf der die Zyklopen sich hauptsächlich damit beschäftigen, ihre Gefangen auf möglichst brutale Weise zu verspeisen. Mit Hilfe der oben erwähnten Haifischmade lernt Rumo das Sprechen, Zamonische Geschichte und die Theorie des Kampfes und kann schließlich von der Insel fliehen. Rumo beginnt, dem silbernen Faden zu folgen, trifft auf Blutschinken und Mondlichtschatten, Eydeeten und Gnome, Wolpertinger und … andere Wolpertinger. Er findet seine große Liebe und betritt schließlich die sagenumwobene Untenwelt.

Mit dabei hat er ein telepatisch veranlagtes Schwert, das ihm nützliche Tipps gibt (Wir sollten ihn umlegen!) und zur Freude des Lesers recht gespalten ist.

Es sollte hier auch nocheinmal ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass die Bücher von Walter Moers keine Kinderbücher sind, nicht weil Kinderbücher schlecht wären, sondern weil diese Bücher für Kinder schlecht wären. Nicht nur, dass sie vieles wohl nicht verstehen würden. Auch die Teils wirklich detailgetreuen Schilderungen der Kämpfe und Schlachten sind nichts für Kinder.

Die Kämpfe spielen aber keine so große Rolle, viel auszeichnender ist der subtile, hintergründige Humor des Moerschen Werkes. Untermalt werden die Geschichten mit vom Autor selbst geschaffenen Illustrationen.

Wer mit im doppelten Sinne fantastischer Literatur nicht völlig auf dem Kriegsfuß steht, sollte die Reise nach Zamonien unverzüglich antreten. Es lohnt sich.

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2 Antworten auf Rumo & Die Wunder im Dunkeln

  1. Mehlstaub sagt:

    Welchen Reiseanbieter würdest du empfehlen?

  2. onkelerika sagt:

    Also wenn du mit Käpt’n Blaubär oder Ensel und Krete reisen möchtest, dann solltest du mit Eichborn reisen.

    Willst du hingegen Wolpertingen oder die Stadt der träumenden Bücher sehen, ist Piper die richtige Wahl.

    Natürlich sind auch Privatreisen möglich. Die Beziehungen dazu solltest du haben.

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