Papiere, bitte

Endlich, dieser ewig währende Krieg ist vorbei. Und das ist nicht alles, die nationale Job-Lotterie hat mir einen Arbeitsplatz an der gerade wieder geöffneten Grenze zugeteilt. Endlich wieder Arbeit, ich habe auch nur noch $30 auf dem Konto. Morgen geht es los, ich freue mich schon!

Tag 1: Ach, die Arbeit ist einfach. Ins Land rein dürfen ohnehin nur Arstotzkaner. Ich brauche nur die Angaben im Reisepass zu prüfen, also die Staatsangehörigkeit, das Geschlecht, die Gültigkeit und natürlich ob das Bild passt. Kein Problem. Na gut, ich habe eine Verwarnung bekommen weil ich ein Pass dabei war dessen ausstellende Behörde es gar nicht gibt. Aber ich kann ja nun unmöglich alles prüfen! Ich werde schließlich pro abgefertigtem Einreisenden bezahlt. Außerdem sind die ersten beiden Verwarnungen ja nicht mit Strafzahlungen belegt. Kein Problem also.

So gut ist der Verdienst leider nicht. Ich habe $35 verdient, $20 Miete, $20 Essen und $10 Heizkosten sind davon zu zahlen. Kann man sich ja leicht ausrechnen, von meinen Ersparnissen sind nur noch $15 übrig.

Tag 2: Das ging schnell, jetzt dürfen auch Ausländer nach Arstotzka einreisen. Leider gab es heute einen Anschlag auf den Grenzposten, danach wurde die Grenze natürlich dichtgemacht. Entprechend wenig konnte ich heute verdienen, mein restliches Erspartes musste ich deshalb schon wieder ausgeben. Aber immerhin konnte ich mir alles leisten.

Tag 3:Seit heute brauchen Einreisende aus anderen Ländern zusätzlich zum Reisepass noch ein Einreisticket. Kein Problem, muss nur auf den richtigen Tag ausgestellt sein. Und heute war ich verdammt fleißig: Nach Miete, Essen und Heizung bleiben mir noch $30 zum Sparen übrig! Vielleicht kann ich mir ja bald ein Fahrrad kaufen und muss nicht mehr auf Arbeit laufen.

Tag 4: Das Einreiseticket war wohl zu leicht zu fälschen, jetzt gibt es die Einreiseerlaubnis. Mit Namen und Passnummer und so. Da muss ich ganz schön aufpassen, dass auch wirklich alle Dokumente übereinstimmen. Arstokaner brauchen jetzt zusätzlich zum Pass auch noch eine ID-Karte. Wenn etwas nicht stimmt, kann ich Fingerabdrücke nehmen und mit einer Datenbankabfrage vergleichen. Manchmal ist dann alles in Ordnung, einige Leute haben ja verschiedene Namen. Andere darf ich dann aber nicht mehr durchlassen.

Leider habe ich mir ein paar Fehler geleistet und war wohl etwas zu gutmütig. Aber die gute Frau hatte ein Einreiseticket, und gestern war es noch gültig, sollte ich sie deswegen nicht durchlassen? Die Ausstellung des Tickets hat sie bestimmt eine Menge Geld gekostet. Das konnte ich nicht. Nun ja, dann musste ich eben 5$ Strafe von meinem Lohn bezahlen, die Heizungsrechnung konnte ich deshalb nicht begleichen. Meine Familie muss diese Nacht wohl frieren. Hoffentlich wird keiner krank! Aber zumindest habe ich kein schlechtes Gewissen.

Tag 5: Seit heute kann ich Verdächtige auch verhaften lassen. So viel Macht für so eine kleine Position? Zum Glück war es noch nicht nötig. Dafür musste ich heute wieder schwere Entscheidungen treffen: Erst kam ein Mann, bei dem alle Dokumente in Ordnung waren. Als ich ihn durchwinkte sagt er noch „Schön, meine Frau kommt gleich nach mir.“ Das stimmte, aber sie hatte keine ID bei sich, sprach mich aber gleich an und freute sich, dass ihr Mann schon durch durfte. Eigentlich musste ich sie jetzt abweisen. Aber es war schon spät, ich hatte erst eine Verwarnung bekommen und das hätte ich nicht übers Herz gebracht. Also habe ich sie durchgelassen und die Verwarnung kassiert. Später kam dann eine andere Frau, die unbedingt ihren Sohn besuchen wollte. Sie hat gebettelt eingelassen zu werden. Aber dann hätte ich Strafen bezahlen müssen. Miete oder Heizung wären dann nicht mehr drin gewesen. Also schickte ich sie weg.

Tag 6: Seit heute benötigen alle, die hier arbeiten wollen eine Arbeitserlaubnis. Außerdem ist es mir gelungen, einen Frauenhändler verhaften zu lassen. Da hat es gleich den richtigen erwischt! Leider wurde die Grenze nach einem erneuten Terroranschlag wieder geschlossen. Für die Heizung hat das Geld daher nicht mehr gereicht, Ersparnisse hatte ich auch keine mehr.

Tag 7: Wegen des Angriffs gestern gibt es nun einen Nackscanner am Flughafen. Anscheinend war der Terrorist Kolechianer, darum müssen jetzt alle Kolechianer gescannt werden – zufällig ausgewählt, ja klar! Das war kein guter Tag. Zwei Verwarnungen und zwei Strafen. Damit reicht das Geld nicht mal mehr für Essen. Zumindest die Heizung konnte ich aber wieder bezahlen.

Tag 8: Nach Beschwerden der Kolchianischen Regierung dürfen Kolchiander jetzt nicht mehr einfach so gescannt werden – gut so! Dafür muss ich jetzt besonders auf die offiziellen Siegel achten, weil wohl immer mehr Fälschungen im Umlauf sind. Heute hatte ich aber einen guten Tag. Mein Sohn ist zwar krank, aber ich habe genug Geld verdient um Heizung und Essen und sogar noch seine Medizin kaufen zu können.

Hier endet die Geschichte vorerst…

Papers, Please (Beta) selber spielen.

Glory to Arstotzka!

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