Operation Walküre und Kino überhaupt

Eigentlich steht alles, was ich zu Operation Walküre sagen kann und möchte, schon anderswo. Nachdem der Film schon vor seiner Premiere auf billigste Art zerrissen wurde, stürzten sich nach der Premiere natürlich alle ein zweites, drittes oder x-tes mal auf den Film, um ihre bösen Vorahnungen bestätigt zu sehen. Das dürfte schief gegangen sein.

Weil der gemeine Leser an sich ein fauler ist (Vermutung), verzichte ich auf ungefähr zweitausend Verlinkungen zu lesenwerten Kritiken und schreibe eine kurze Zusammenfassung dessen, was man sich auch gern in Kleinarbeit zusammenfriemeln kann. Wer möchte, darf aber gern hören. Beim Deutschlandfunk gibt es einige Beträge, die die unterschiedlichen Standpunkte gut beleuchten: Hören.

Es gibt ja Leute, die finden Filme aus Hollywood / USA deshalb schlecht, weil sie aus Hollywood sind. Das liegt wohl daran, dass von dort viel Einheitsbrei kommt. Deswegen aber jeden amerikanischen Film von vornherein abzuwerten, ist ziemlich dämlich, betrügt man sich doch so um viele vergnügliche Perlen der Filmgeschichte.

Ein Perle ist Operation Walküre wohl eher nicht, ein Vergnügen aber schon. Denn anders als gemeinte Menschen vermuten mögen, ist der Stauffenberg-Film kein billiges Actionevent. Ganz im Gegenteil bestimmen Dialoge das Geschehen, die Inszenierung ist ruhig. Ruhig, aber spannend. Denn obwohl man die ganze Geschichte kennt (Hitler lebt!!!), fiebert man doch die ganze Zeit mit. Tom Cruise ist nicht die herbeigeschworene Fehlbesetzung, allerdings hätte ich mir deutlich mehr Charaktertiefe für Stauffenberg gewünscht. Denn der war ganz sicher nicht der „Held mit reinem Herzen“. Die Schuld dafür würde ich aber nicht Cruise zuschieben, sondern eher dem Regisseur – wenn sich das überhaupt auf eine Person fokusieren lässt.

Ein wenig blass bleiben die Motive der anderen Widerständler, die im Vergleich zur Hauptfigur ziemlich schwach und unentschlossen wirken – das ist historisch wohl nicht ganz korrekt. Da viele der Mitverschwörer recht interessante Hintergründe und Pläne hatten, hätte man mehr aus ihnen machen können und müssen. Absolut irrelevant hingegen finde ich die von Sven Felix Kellerhoff zusammengezählten Kleinigkeiten. Natürlich hätte man da drauf achten können, but who cares? It’s entertainment! Operation Walküre ist keine Dokumentation, sondern ein Thriller mit historischem Hintergrund, der alles in allem doch ziemlich korrekt dargestellt wird – und als Thriller macht der Film alles richtig.

Interessanterweise ist der Film meiner Erinnerung an die vor einigen Jahren in der ARD ausgestrahlte Produktion Stauffenberg ziemlich ähnlich. Wozu also das Remake? Um die Geschichte auch außerhalb von Deutschland bekannter zu machen. Es gibt sogar Leute die meinen, Operation Walküre trüge zur Entnazifizierung des deutschen Images bei Ausländern bei. Aha. Wie viele Ausländer denken wohl, hier würden nur Nazis leben? Meiner Meinung nach gehört das in die Richtung des „Ich will mich nicht immer rechtfertigen müssen“-Gejammers der vielen „Ich bin zwar kein Nazi“s. Also Nonsens.

Fazit: Anschauen.

Sehr interessant zu lesen auch diese gänzlich andere Betrachtung der Widerstandbewegung um Stauffenberg von Frank Brendle: Lesen.

Achtung: Die folgenden Sätze enthalten Unflätigkeiten und Kraftausdrücke ungeahnten Ausmaßes.

Jetzt wird’s persönlich.

Wer im Kino aus Gründen mangelnder Intelligenz oder mangelhafter Weltanschauung den Film als Operation Heil Hitler betitelt, ist bescheuert. Wer dann noch überrascht ist, wenn das Attentat auf Hitler scheitert, ist strunzdumm. Wer aber schließlich, in vollem Bewusstsein einer sich durch Husten und Röcheln lautstark äußernden Krankheit die Vorpremiere besuchen muss und damit andere in Zehnsekundenintervallen aus dem Film reist, der ist ein arroganter Arsch. So was habe ich noch nicht erlebt.

Doch damit nicht genug. Nicht weit entfernt vom Hustentrottel und in unmittelbarer Nähe hinter uns hat sich ein frisch verliebtes Pärchen platziert. Nun sagt keiner was, wenn ihr euch im Kino küsst – das ist toll. Ihr könnt im Kino auch gern ficken, solange ihr allein seid. Aber wer sich inmitten anderer Zuschauer unbedingt abknutschen muss, während in der spannendsten Szene des Films Stauffenberg mit seiner Behinderung versucht unter Zeitdruck die Bombe scharf zu machen, gehört verkloppt!

Und wenn mir jetzt einer meint, genau deswegen gehe er nicht ins Kino, dann gehört der auch verkloppt. Denn erstens ist das die Ausnahme, zweitens ist Kino gleich Erstverwertung. Ohne Kinoerfolg kein DVD-Erfolg kein Fernseherfolg – was das für weitere Filme heißt, kann sich jeder selbst ausmalen.

Hoch lebe das Kino!

Dieser Beitrag wurde unter Gesehen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf Operation Walküre und Kino überhaupt

  1. Koloradokäfer sagt:

    Sehr feine Kritik, der ich mich gern anschließe. Exzellent!

    (Hinweise auf Grammatik und Rechtschreibung unterbleiben aufgrund der fortgeschrittenen Stunde.)

  2. Matze sagt:

    Jaja, des Menschen Wille ist sein Himmelreich… vielleicht sollten analog der Einreisekontrollen der USA Untersuchungen in Kinos vorgenommen werden?
    Wobei ich die geschilderten Verhaltensweisen doch auch als recht störend im Kino empfinde….

  3. onkelerika sagt:

    Na klar. Dann müssten alle, die nicht im Kino wohnen oder arbeiten gleich an der Straßenbahnhaltestelle ihre Fingerabdrücke abgeben und mal in den Netzhautscanner blinzeln. Ein Kinobesuch müsste drei Tage vorher angekündigt werden, außerdem wäre natürlich ein umfangreicher Fragebogen auszufüllen (”Haben sie schon mal versucht das Kino zu besuchen?”, “Wollen sie im Kino arbeiten?”). Ohne E-Pass kommt man eh nicht rein. Außerdem verlangen die Kinobetreiber natürlich von anderen Unterhaltungsinstitutionen Auskunft darüber, wer sich wann wo vergnügt hat.

    Davon aber mal abgesehen wäre das bequem und narrensicher. Oder?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.