Lebanon

Wer mal einen der echten Anti-Kriegsfilme sehen will, der sehe sich bitte Lebanon an. Dieser Film vermittelt ein Gefühl für die Schrecken des Krieges, wie es kaum ein anderer je getan hat. Hier gibt es keine guten und freundliche Soldaten, keine flotten Sprüche. Alles ist verdichtet auf das Schicksal vierer Panzersoldaten, verdichtet auf einen Tag im ersten Libanonkrieg. Zu Beginn betritt man zusammen mit dem neuen Schützen den Panzer und erst ganz am Ende verlässt man ihn wieder. Was dazwischen passiert ist beängstigend, verstörend, brutal.

Der Trailer zum Film bildet die Stimmung in keinster Weise ab.

Es macht keinen Spaß, diesen Film zu sehen, und doch ist er spannend und absolut fesselnd. Definitiv sehenswert.

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4 Antworten auf Lebanon

  1. Koloradokäfer sagt:

    Stimmt, der Trailer ist nicht annähernd so gut und aussagekräftig, wie der Film.
    Nach Walz with Bashir und Lebanon bin ich überrascht, was für höchst kritische Filme doch im von seiner Armee so überzeugten Israel entstehen. Beide Filme sind dokumentarisch angelegt und bringen so auch ein Stück Lebenserfahrung nahe. In meinen Augen, kann nach dem Kinogang nur zu der Erkenntnis kommen: So etwas kann niemand wollen. Und doch führt ja Israel immer wieder Krieg gegen seine Nachbarn.
    Wahrscheinlich muss man wirklich Israeli sein, um das zu verstehen. Ich finde es abstoßend. Und gerade deshalb würde mich mal interessieren, wie die beiden Filme eigentlich in Israel angekommen sind.

  2. torsten sagt:

    Ich bin überzeugt, dass viele Israelis das nicht verstehen.

    Und da es ebensowenig den Israeli wie den Deutschen gibt, dürfte es schwer sein herauszufinden, wie der Film in Israel angekommen ist, oder?

    Just my daily rant 😉

  3. Koloradokäfer sagt:

    > Und da es ebensowenig den Israeli wie den Deutschen gibt, dürfte es schwer sein herauszufinden, wie der Film in Israel angekommen ist, oder?

    Ich denke schon, dass man bewerten kann, wie gut ein Film in einem Land angekommen ist. Zum Beispiel anhand der Zuschauerzahlen im Vergleich zu anderen Filmen (vielleicht beuzogen auf ein bestimmtes Filmgenre). Außerdem kann es ja zum Beispiel sein, dass der Film in außergewöhnlich vielen oder außergewöhnlich wenig Kinos gezeigt wurde. Ich denke schon, dass diese „Parameter“ in unterschiedlichen Ländern auch verschiedene Werte annehmen können.

    Und um mir nun selbst zumindest eine teilweise Antwort zu geben, hier ein Zitat aus der Berliner Morgenpost (tut mir Leid, aber ich habe keine seriösere Quelle gefunden):

    > Trotz des internationalen Erfolgs war “Lebanon” in Israel mit 50 000 Zuschauern kein kommerzieller Erfolg. Zum Vergleich: 2009 sahen 120 000 Israelis den persönlichen Zeichentrickfilm zum gleichen Thema, “Waltz with Bashir”. Der erfolgreichste israelische Film über den ersten Libanonkrieg ist “Beaufort” mit 300 000 Zuschauern. Die benachbarten Libanesen sind verärgert über “Lebanon”. Die Zeitung Al Nahar sieht darin die israelische Darstellung eines Verteidigungskrieges, in dem der Feind nur als Terrorist dargestellt wird.

    Hier gehts zum Google Cache (da Bezahlartikel): http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:Nd5V-3ntGosJ:www.morgenpost.de/printarchiv/top-bmlive/article1422858/Am-Ende-sind-sie-alle-Opfer.html+Lebanon+film+50000+zuschauer&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de

    Sorry, dass ich immer so lange Kommentare schreibe 🙂

  4. onkelerika sagt:

    Also zunächst: Der Film wurde in Israel auf jeden Fall gespalten aufgenommen, laut einem Artikel im Guardian wurde auch die Teilnahme am Filmfestival Venedig stark kritisiert. Die Zahlen sprechen dafür, dass der Film wohl in nur wenigen Kinos gezeigt wurde.

    Die Sache mit der pro-israelischen Sichtweise habe ich mir auch überlegt. Was Al Nahar da schreibt ist nicht falsch, wobei der Film ja auch recht drastisch zeigt, welchen Horror der israelische Angriff gebracht hat. Die Frage ist, ob man einen Film dieser Art ausgewogener hätte realisieren können. Durch den ungebrochenen Fokus auf eine kleine, abgekapselte Gruppe von Soldaten muss man sich für eine Seite entscheiden. Es liegt dann in der Verantwortung des Zuschauers, Taten und Gedanken auf die jeweils andere Seite zu übertragen – unabhängig davon, wie die Meinung der Filmschaffenden zum Thema selbst ist.

    Hätte Lebanon versucht, dem Zuschauer diese Arbeit abzunehmen, wäre die Atmosphäre unweigerlich leidtragend gewesen.

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