Konrad Lischka hat nichts verstanden und Tim Schafer alles richtig gemacht

Im Spiegel schreibt Konrad Lischka Die Feinde der „Contentmafia“ sind Heuchler. Dass so ein Artikel genau dann erscheint, nachdem SOPA und PIPA erstmal vom Tisch sind und der Kampf gegen ACTA erste Erfolge erzielt, ist bezeichnend. Das Urheberrecht hat viele Feinde, die es am liebsten komplett abschaffen wollen? Ist das ein Fakt, oder hat er sich das nur ausgedacht? Warum wiederholt er das so oft? Damit es wahrer klingt?

Von allen technischen, juristischen und ökonomischen Unzulänglichkeiten der heutigen Umsetzung einmal abgesehen: Das Urheberrecht ist ein großartiges Konzept. Es gibt Schöpfern die Freiheit, in einer kapitalistischen Marktwirtschaft mitzuspielen.

Für manche mag das ja tatsächlich so sein. Für andere ist es vor allem der Zwang, in der kapitalistischen Marktwirtschaft mitzuspielen. Wer nichts verkauft, verhungert oder gibt seine Kunst auf. Das ist dann die große Freiheit?

Das ist auch das Problem bei Ideen wie der Kulturflatrate: Da würden Urheber zwar vergütet, vielleicht abhängig von der Nutzung ihrer Werke im Web. Aber dieses Modell würde die Freiheit der Urheber einschränken, marktwirtschaftlich zu handeln.

Warum sollte eine Kulturflatrate das einschränken? Sie soll doch nicht alle Vertriebswege ersetzen, sondern genau den Urhebern die Möglichkeit geben, mit etwas Geld zu verdienen, das sie sowieso nicht verhindern können: Den „Raubkopien“.

Das ist insofern befremdlich, als die Kritiker niemals die kapitalistische Marktwirtschaft an sich in Frage stellen.

Nein? Was soll man dazu noch sagen…
Mehr Vertrauen in die Menschheit hatten Tim Schafer und Ron Gilbert. Die beiden sind recht legendäre Spieledesigner und haben sich zusammen getan, um ein Point’n’Click-Adventure zu machen, ganz im Geiste der alten Tage. Sowas verkauft sich natürlich gar nicht gut, darum wollte es auch keiner der Publisher finanzieren. Die Idee war aber zu gut um aufgegeben zu werden.

Also haben die beiden dazu aufgerufen, ihr Projekt per Crowdfunding zu finanzieren (der große Schwarm finanziert das Projekt). Das Ziel waren 400.000 Dollar in 33 Tagen. Was kam raus? 1,2 Millionen Dollar nach den ersten acht Stunden. Das hat so ziemlich alle umgehauen und sollte den Publishern doch zu denken geben. Es sind ja auch noch 32 Tage Zeit, um die Summe weiter zu erhöhen. Die Entwickler haben schon einige Ideen, wie die Mehreinnahmen eingesetzt werden können.

Auf jeden Fall: Es will keiner für Content bezahlen?

Geh sterben!

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