Kinorückblick: Gran Torino, Slumdog Millionär, Deutschland 09, Il Divo

Nachdem der letzte Beitrag zum Thema Kino nun schon zwei Monate zurück liegt, hier ein kurzer Rückblick zu vier Filmen, wahrscheinlich sortiert nach Startdatum.

Slumdog Millionär
Die Geschichte dürfte wohl jedem bekannt sein. Ein Junge aus den Slums ist dabei, in der indischen Variante von Wer wird Millionär? den Hauptgewinn zu machen, wird aber vorher von der Polizei brutal verhört, weil die Betrug vermutet. Woher Jamal Malik tatsächlich die Antworten kennt, wird durch Ausschnitte aus seinem Leben gezeigt. Die sind glücklicherweise nicht auf die jeweiligen Lösungen hin konstruiert, sondern bringen diese teilweise nur sehr nebensächlich mit sich. Ist schon ziemlich hollywoodmäßig, obwohl eine britische Produktion, gehört innerhalb dieser Grenzen aber definitiv zu den guten Filmen und weiß zu unterhalten.

Deutschland 09
Ob das auf diesen Film auch zutrifft, ist schwierig zu sagen. In den deutschen Feuilletons wurde der Film ziemlich verrissen (siehe Presseschau), sogar noch unter Mario Barth gestellt, was wohl doch zu weit geht. Während des Schauens hatte ich eigentlich auch gar kein Problem mit dem Film. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand da eher die Ästhetik, die sich dann aber doch als Hindernis herausstellt, denn den Beiträgen mangelt es an Aussagen, Kommentare zur Lage der Nation sind sie definitiv nicht. Man erwartet ja doch schon etwas politisches, wenn Filme schon unter so einen hochtrabenden Titel gestellt werden. Das kann die Sammlung nicht bieten. Rückblickend meine ich daher, dass man sein Geld besser in einen anderen Film investiert.

Gran Torino
Der Topkandidat dafür ist Gran Torino. Clint Eastwood spielt den verbitterten und rassistischen Kriegs- und Autobauveteran Walt Kowalski, der mit seiner Familie, seinem Pfarrer, Jugendgangs und seinen asiatischen Nachbarn hadert. Zumindest letztere lernt er mit der Zeit zu schätzen, freundet sich mit ihnen an, betrachtet sie teilweise gar als seine Ersatzfamilie. Während dessen eskaliert aber auch die von den Jugendgangs ausgehende Gewalt. Die Entwicklung Kowalskis ist einfach wunderbar anzuschauen, allein die ständigen Flüche und Beleidigungen, die Eastwood hier vom Stapel lässt und mit der Zeit immer weniger ernst meint, sind schon den Filmbesuch wert. Toll gelungen auch das Ende des Films, dass einen sehr geschickten Kontrapunkt zu Eastwoods Filmvergangenheit setzt. Bislang bester Film des Jahres.

Il Divo
Knapp dahinter landet das Biopic über Giulio Andreotti, einem italienischen Politiker mit Mafiahintergrund. Seine „Gang“ wird eingeführt wie in einem Tarantino-Film, die Attentate, in die er verwickelt wurde, werden zum Treibenden Cassius-Stück Toop Toop der Reihe nach gezeigt. Im Zentrum immer Andreotti selbst, auch stilistisch. Lernt man eigentlich, aus Harmoniegründen so oft wie möglich den goldenen Schnitt einzusetzen, bricht Regisseur Paolo Sorrentino hier ganz bewusst mit der Regel und dreht die meisten Szenen absolut symmetrisch, im Zentrum gewöhnlich der Göttliche selbst, quasi im Zentrum der Macht. Die Darstellung ist nicht ausgewogen, Andreotti soll demontiert werden. Und das ist absolut sehenswert.

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3 Antworten auf Kinorückblick: Gran Torino, Slumdog Millionär, Deutschland 09, Il Divo

  1. Koloradokäfer sagt:

    Zu Deutschland09: Man erwartet nichts politisches. Ich habe erwartet, dass ich etwas über die gesellschaftliche Situation sehen werde – und das habe ich auch bekommen.

  2. onkelerika sagt:

    Ok, ich habe was politisches erwartet. Hat uns der Film etwas über die gesellschaftliche Situation gezeigt (was wir nicht schon wussten)?

  3. Koloradokäfer sagt:

    Ja. (Das weiß ich nicht, aber ich fand es durchaus gelungen.)

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