Hugo, Bilbo und Django…

… machen eine Reise. Zwei von ihnen lassen sich dabei recht viel Zeit, während der dritte an der Uhr dreht. Empfehlenswert sind trotzdem alle drei.

Der Hobbit macht seine unerwartete Reise nicht allein, sondern in Begleitung einer Menge Zwerge. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch, dass deutlich dünner ist als der Herr der Ringe. Ist ja auch nur ein Buch und nicht drei. Trotzdem soll die Verfilmung wieder dreiteilig sein, und die einzelnen Filme wieder von epischer Länge. Wie soll das gehen, fragte ich mich? Zum einen werden Dinge aus den Herr der Ringe-Büchern, die in den bisherigen Filmen fehlten hier präsentiert, es werden Bezüge zu bereits gesehenem, aber in der Geschichte natürlich noch nicht passiertem hergestellt, die es im Buch natürlich noch nicht gegeben konnte. Außerdem gibt es einiges an Mittelerde-Folklore aus anderen Tolkienquellen, vielleicht aber auch einfach dazugedichtet. Außerdem lässt sich der Film für einzelne Szenen sehr viel Zeit. Gerade der Anfang in Bilbos heimeliger Höhle ist ganz großartig. Leider werden aber auch die Actionszenen in die Länge gezogen, und das nicht zu ihrem Vorteil. Immer wieder funktionieren Bedrohung und Rettung nach dem gleichen Schema, teilweise sogar innerhalb einzelner Szenen. Meistens kommt dann Gandalf und rettet alle. Sonst aber ein sehenswerter Film, der das herrliche Herr der Ringe-Feeling wieder aufleben lässt.

Auch zu Django Unchained hatte ich mich vorher belesen. Der Tenor war nicht immer unbedingt positiv und es war zu befürchten, dass mir daher der Film nicht mehr gefallen würde. Besonders Django verkettet von Tropige Trauben war mir im Kopf geblieben. Er meint, dass es im Film zwei verschiedene Darstellungen von Gewalt gibt. Die realistischere, die immer dann gezeigt wird wenn Sklaven misshandelt werden, führt seiner Meinung nach zu einem doppelt dominanten Blick. Das sehe ich nicht so. Die zwei Arten der Gewaltdarstellung sind mir zwar auch aufgefallen, aber ich empfand die realistischere Version durchgehend als Mittel, den Zuschauer Mitleid und Sympathie empfinden zu lassen. Die völlig überdrehte Tarantino-Gewalt, die immer von Django und Schultz ausging, diente hingegen eher einem „Yeah, gib’s ihnen!“. Problematischer fand ich das „Einer aus Zehntausend“-Gefasel, weil der Film sich dieser Theorie quasi anschließt. Außer Django ist keiner der Sklaven selbst zum Handeln bereit sondern schaut nur ehrfürchtig drein, selbst wenn die Möglichkeit zur Gegenwehr nur wenige Griffe entfernt ist. Von einer größeren „schwarzen“ Bewegung sieht man überhaupt nichts – Möglichkeit verschenkt. Das Ende war dramaturgisch auch eher mau, generell der Film etwas zu lang. Schauspielerisch hingegen abermals großartig, insbesondere wieder Christoph Waltz. Trotz aller Kritik sehenswert, zumal es ja leider nicht allzu oft Western im Kino zu sehen gibt.

Gar nicht zu lang ist aber Hugo Cabret. Dieser Film vom letzten Jahr kommt zwar aus Amerika, wirkt aber durch und durch französisch. Was hauptsächlich daran liegt, dass er in Paris spielt, genauer gesagt überwiegend im Pariser Bahnhof. Dort lebt der zwölfjährige Waisenjunge Hugo und zieht regelmäßig die Bahnhofsuhren auf, wenn er sich nicht gerade mit Diebstählen Essen oder mechanische Kleinteile besorgt. Wofür er die braucht und warum er überhaupt auf dem Bahnhof lebt? Das erzählt der Film. Doch gleichzeitig erzählt Hugo Cabret noch eine andere Geschichte. Die des gerade erst entstandenen jungen Kinos, seiner Technik und seiner Macher, und warum einer seiner größten Filmemacher seiner Enkelin verbietet, ins Kino zu gehen. Ein wirklich fantastischer Film und einer der wenigen, bei dem die 3D-Version explizit gelobt und sogar empfohlen wurde. Das ist zuhause natürlich schwierig. Da kann ich aber beruhigen: Der Film ist auch in 2D super.

Filmstarts.de schreibt wirklich passend:

„Hugo Cabret“ ist entgegen des ersten Eindrucks kein Film für Kinder, sondern ein berührendes Leinwandmärchen für Kinoliebhaber und alle die es werden wollen. Deshalb überzeugt auch keiner der Trailer, weil hier versucht wird, den Film als etwas zu verkaufen, was er einfach nicht ist. Regisseur Martin Scorsese („Taxi Driver“, „GoodFellas“) verehrt das Kino und seine Geschichte wie kein zweiter auf diesem Planeten – und „Hugo Cabret“ ist das pure Destillat dieser seit mehr als 50 Jahren andauernden Liebesbeziehung: Mit seinem ersten Ausflug ins 3D-Fach setzt Scorsese dem Kinopionier Georges Méliès, der bis 1922 mehr als 500 (!) Filme drehte, ein unvergessliches Denkmal.
[…]
Fazit: Wer das Kino liebt, darf diesen Film auf keinen Fall verpassen.

Eben deshalb werde ich hier auch keinen der Trailer einbinden, weil sie wirklich einen ganz anderen Film präsentieren. Unbedingt anschauen, liebe Kinoliebhaber!

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Eine Antwort auf Hugo, Bilbo und Django…

  1. Gut, dass du den Film hier noch mal erwähnst. Ich hatte den Namen schon wieder vergessen.

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