Gestern Papst, heute Hitler

Stell dir vor du bist Hitler und seit 66 Jahren tot. Genau das passiert – na, wem wohl? Dem Hitler natürlich! Da steht er nun auf der Brachfläche und weiß nicht so recht, wie er dahin gekommen ist, wo alle anderen sind und warum er so verfluchte Kopfschmerzen hat. Fazit: Er ist wieder da.

So heißt denn auch Timur Vermes Roman, der Hitler wieder auferstehen lässt. Und das nicht nur biologisch, sondern auch politisch. Denn der ehemalige Führer erkennt natürlich seine Chance. Was er einmal geschafft hat, muss er doch auch ein zweites mal schaffen können.

Er ist wieder da ist zunächst eine Verwechslungskomödie. Denn natürlich erkennen die meisten Hitler zwar, aber alle halten ihn für einen verdammt guten Schauspieler. Wer sollte ihn auch für den echten Hitler halten – der ist doch schon lange tot. Der Klamauk, der bei so einer Konstellation naheliegt kommt freilich nicht zu kurz. So trifft der Wiederauferstandene in einer Blitzreinigung auf den Sohn des Besitzers. Im Gegensatz zum Vater erkennt der den Hitler dann auch – als den, der immer die Nazisache macht. Als den anderen Stromberg, den von Switch!

Doch Er ist wieder da bietet mehr als das. Den Erfolg und damit verbundenen Aufstieg Hitlers in einer Rundfunkanstalt nutzt der Autor geschickt zur Gesellschafts-, und vielmehr noch zur Medienkritik. Dabei wird zwar wenig neues kritisiert, aber aus dem Blickpunkt Hitlers hat es eben noch keiner gemacht. Allein sein erster Kontakt mit dem modernen Fernsehen ist schon großartig. Aber natürlich bleibt auch das Internet nicht von ihm verschont. Bei allen Lachanfällen die den Leser anheimfallen wird einem aber auch oft genug das Lachen im Halse stecken. Nämlich genau dann, wenn wieder klar wird, dass es eben wirklich Hitler ist, der hier den Ich-Erzähler gibt und er die selbe menschenverachtende Ideologie vertritt wie seit jeher. Denn dieser Hitler ist keine Witzfigur, kein Volldepp oder plumper Neonazi. Vermes‘ Hitler ist in einem gewissen Rahmen glaubhaft. Diese beiden Pole – großer Spaß und große Verstörung ergänzen sich ganz wunderbar, was Er ist wieder hier folgerichtig zu einem großen Lesevergnügen macht.

Es sei denn, man hört das Buch. Dann wird es ein Hörvergügen. Denn wie bereits geschrieben gibt es zum Buch auch ein Hörbuch, gelesen von niemand anderem als Christoph Maria Herbst – dem, der immer die Bürosache macht. Und weil ich letztes Mal die Frage aufwarf, ob die Hitlerstimme nicht irgendwann gewaltig nervt: Nein, tut sie nicht. Ganz im Gegenteil würde ich sogar soweit gehen, dass sie dem Buch so noch mehr Charme verleiht. Denn erstens sprechen auch mal andere Figuren mit ihren ganz eigenen Intonationen, und zweitens spricht Herbst Hitler ohne zu übertreiben. Zwar immer ganz klar mit dem „Hitlerduktus“, aber eben sehr variabel, nicht brüllend oder andersweitig anstrengend.

Eine fast uneingeschränkte Empfehlung: 6 CDs sind deutlich zu wenig 😉

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