Gedanken zum Film, Teil 1: Junge Schauspieler (feat. Illuminati & Star Trek)

Alles muss raus, zweiter Teil. Eigentlich wollte ich keine längeren Kritiken mehr zu großen Blockbustern schreiben, da über die ja schon genug gesagt wurde – es sei denn natürlich meine Meinung würde entschieden von der anderer Kritiker abweichen. Dieser Text liegt nun aber schon eine ganze Weile vereinsamt hier rum und wird nicht mehr gepflegt, anders als eigentlich geplant. Dabei sollte er ja DIE Erleuchtung bringen. Naja.

In Momenten herzergreifender Tiefe überlegt man so vor sich hin und philosophiert über Dinge von globaler Unwichtigkeit, die einen in ihrer Erkenntnisgewinnung aber doch sehr befriedigen. So habe ich mir einmal die Regel zurecht gebastelt, dass Filme mit jungen Darstellern schlechter sind als ähnliche Filme mit älteren Schauspielern. Am auffälligsten ist das bei Horrorfilmen. Beim weißen Hai zum Beispiel jagen drei ältere Männer den Hai (oder werden gejagt). Die drei sind sind als Charaktere so toll angelegt, dass ihre Handlungen und Beziehung zueinander den Film stärker prägen, als der Hai selbst. In vielen anderen Haifilmen spielen Teenager die Hauptrollen (auch in einigen der Fortsetzung des Weißen Hai). Das wirkt unglaubwürdig. Im Original von „The Fog“ (1980) sind die Handlungsträger fast außnahmslos erwachsen. Im Remake aus dem Jahr 2005 ist alles auf jugendlich getrimmt, eben so typischer Teenie-Horror. Obwohl hier die Schockeffekte viel drastischer ausfallen, wird die gruselige Atmosphäre des Originals nicht einmal ansatzweise erreicht, weil die Figuren dem Zuschauer herzlich egal sind.

Das Problem, dass junge Figuren mit sich bringen, ist ihre mangelnde Lebensgeschichte, ihre Lebenserfahrung, also ihr fehlender Hintergrund. Einem solchen Charakter glaubwürdige Tiefe zu geben ist schwierig. Schwierig, aber nicht unmöglich – über die wunderbare Ellen Page im großartigen Juno habe ich ja schon geschrieben. So viel dazu, nur mal so als Gedanken zur Diskussion gestellt.

In Illuminati (Englische Seite) spielt Tom Hanks den Symbologen Robert Langdon, der im Auftrag des Vatikan die Zerstörung des gesamten Fundaments der katholischen Kirche verhinertn soll. Tom Hanks, und somit Langdon, ist ein Mann im zumindest gereiften Alter. Das verleiht ihm eine gewisse Glaubwürdigkeit, obwohl er als Besetzung der Hauptrolle sehr kontrovers gehandhabt wurde. Im Gegensatz zum filmischen Vorgänger Sakrileg passt er hier aber besser in die Rolle, vielleicht ein Effekt der Gewöhnung. Generell schaut sich Illuminati schöner an als Sakrileg, was vor allem daran liegt, dass der Regisseur dieses Mal auf die unsäglich dummen Dreifacherklärungen der Rätsel verzichtet hat. Natürlich gibt es immer noch solche aufgezwungen wirkende Erkläungen im Film – zum Beispiel sollte man als bekannt vorraussetzen können, dass bei der erfolgreichen Papstwahl weißer Rauch aufsteigt, sonst schwarzer – aber die Zahl wurde schon beträchtlich minimiert.

Trotzdem, das war aber zu erwarten, bleibt der Film hinter der Spannung des Buches zurück. Das liegt zum einen an der Vereinfachung der Geschichte. Es ist unverständlich, warum der im Roman lange Zeit Hauptverdächtige hier komplett geschnitten wird, um als Ersatz einen „Verdächtigen für zwei Minuten“ einzuführen. Zum anderen krankt Illuminati an den falschen Präferenzen. Statt sich auf die Jagd nach Hinweisen und die Rätsel zu konzentrieren, verliert sich der Film in Jagd-durch-die-Straßen-Szenen. Was man in Erinnerung behält sind Bilder davon, wie wenige Minuten vor der nächsten vollen Stunde ein halbes Duzend Autos durch Rom preschen. Die durchaus in einigen Szenen aufgebaute Spannung hält so immer nur kurz an, was der ja nach wie vor interessanten Geschichte sehr schadet. Für Nicht-Kenner des Buches ist Illuminati wahrscheinlich ein Stück spannender, aber auch denen würde ich eher zum Buch raten.

Über mangelnde Spannung kann man sich dagegen bei Star Trek. Ganz im Gegenteil: Der Film beginnt rasant und tritt während seiner vollen Länge auch nicht mehr auf die Bremse – ohne dabei nervig anstrengend zu wirken. Gedreht von J.J. „Lost“ Abrams ist der Film nicht nur ein Prequel zum bisherigen Star Trek-Universum, sondern tatsächlich ein Neuanfang. Wie das trotz der „neuen alten“ Charaktere funktioniert, soll hier nicht verraten werden. Das funktioniert sogar sehr gut, auch wenn die Logiker sich nicht allzu viele Gedanken darüber machen sollten.

Star Trek zeigt, wie die erste (und beste) Crew der Enterprise zusammengefunden hat. Kirk, Spock, McCoy und Scotty, die mit abstand sympathischsten Trekkies der langen Filmgeschichte. Für junge Raumfahrer braucht es natürlich auch junge Schauspieler. Die sind so gut gewählt, dass man in einigen der Szenen glaubt, die original Schauspieler hätten sich in einer jüngeren Ausgabe tatsächlich selbst gespielt. Dazu tragen natürlich auch die vielen Anspielungen an die Serie bei, von Kirks dauernden Techtelmechteln über Pilles lakonische Kommentare bis hin zum obligatorischen Tod eines Redshirts beim Außeneinsatz. Das alles wird verpackt in eine atemberaubende Inszenierung, die den Weltraum näher wirken lässt als kaum ein Film zuvor.

Nur noch wenige Zeichen, dann wird dieser Beitrag unvermittelt abbrechen und den Leser ratlos zurücklassen. Geplant ist aber eine Fortsetzung im Geiste, die die Synchronisation von Filmen behandeln soll – das kann aber noch dauern.

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