Full Metal Village (Dokumentation)

Kann man über das weltweit gröte Heavy-Metal-Festival einen Film drehen, der den Metal nur eine marginale Rolle spielen lässt? Frau kann, so sie denn aus Südkorea kommt und auf den Namen Sung-Hyung Cho hört.

Bereits die erste Sequenz lässt das Kultpotenzial von Full Metal Village erahnen: Zu sanft wogendem Getreide und muhenden Kühen prangt im typischen Metalstyle der Titel des Films.

Für Metal-Fachkräfte, denen der Film zum Head-Bangen dienen soll, wird das Kopfschütteln eventuell ganz anders kommen. Denn im Großteil des Films ist von Metal nichts zu sehen. Stattdessen wird das triste Leben in der Gemeinde Wacken auf wirklich amüsante Weise portraitiert. Da ist das alte Landwirtehepaar, dass sich zwar ständig neckt, aber doch nicht ohne einander kann. Da sind die zwei Teenager, die von einer Karriere als Modell träumen und da sind der besorgte Pfarrer und noch einige andere typisch dörflerische Existenzen.

Langsam führen die Gespäche dieser Einwohner mit der Regisseurin auf das Wacken Open Air, das Mekka der Langhaarigen. Die Meinungen über das Festival, dass zu Wacken gehört wie Wacken zum Festival, sind breit gefächert. Von der Angst vor Teufelsanbetung bis hin zum Erkennen der einfachen Notwendigkeit dieser Veranstaltung ist alles dabei. Die in Deutschland lebende Koreanerin kommentiert keine der Aussagen, fragt nur.

Nicht nur die Aussagen der Dorfbewohner, auch die herrlichen Bilder des Landlebens, die Sung-Hyung Cho auf die Leinwand zaubert, sorgen neben einem beständigen Dauerschmunzeln auch für einige richtige Lacher. Ein ganz kleines Stückchen schwächer sind die (wenigen) Aufnahmen vom Aufbau des Open-Air-Geländes, doch ist auch das vergessen, wenn schließlich die Wackener und die Metaller aufeinandertreffen.

Man muss kein Judas Priest-Fan sein, um diesen Film zu mögen. Ganz im Gegenteil. So fast ganz ohne Metal ist Full Metal Village wohl der amüsanteste Film des nicht mehr ganz so jungen Jahres.

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