Frost/Nixon

In der Nacht des 17. Juni 1972 brach eine Gruppe von fünf Männern in den Watergate-Komplex in Washington ein, um dort in den Wahlkampfbüros der demokratischen Partei Wanzen zu Abhörmikrofone zu installieren. Der Einbruch wurde rechtzeitig von einem Wachmann entdeckt und die Einbrecher wurden von der Polizei festgenommen. Einer der Täter, James W. McCord, stand in enger Verbindung zum Komitee zur Wiederwahl des Präsidenten. So kam es zu umfangreichen Ermittlungen in der Sache, die sich schließlich auf hochrangige Regierungsbeamte und den Präsidenten Richard Nixon selber ausstreckten.

Nachdem Tonbänder aus dem Tonband-System des Weißen Hauses zweifelsfrei die Schuld Nixons und seiner Berater belegten, verlor der Präsident auch noch die letzten seiner Anhänger und trat schließlich zurück. Damit entging er nicht nur seiner Amtsenthebung (entsprechende Verfahren liefen bereits), sondern auch einer Schuldigsprechung. Diesem für die amerikanischer Öffentlichkeit sehr unbefriedigendem Ergebnis nahm sich fünf Jahre später, also 1977 der britische TV-Moderator David Frost an, der Nixon 12 Tage lang interviewte. Mehr dazu gibt es im sehr lesenswerten Wikipedia-Artikel Watergate-Affäre.

Der Weg zum Interview und das Gespräch zwischen Nixon und Frost sind Thema des Dramas Frost/Nixon, basierend auf einem Theaterstück. Frank Langella spielt einen gebrochenen Ex-Präsidenten, der sein Leben zwischen finanzieller Not und innerer Zerrissenheit fristet und sich vom Interview erhofft, seinen zerstörten Ruf wieder herstellen zu können.

Auch Frost hat zunächst die Aussicht auf hohe Gewinne die Idee zum Interview mit Nixon gegeben. Seine TV-Show läuft in Australien zwar ganz gut, in England aber wurde sie abgesetzt. Frosts großes Ziel ist ohnehin der Erfolg in Amerika. Hier sieht er seine Chance gekommen. Als er aber daran scheitert, Sender und Geldgeber für die Interviews zu finden, wird die Sache für ihn schnell zur Existenzfrage. Allen Problemen und Kritiken zum Trotz kommt es zur Produktion der Interviews. Allerdings bezahlt Frost den Großteil der Aufzeichnung aus der eigenen Tasche. Um nicht im völligen Ruin zu landen, muss Nixon ihm gegenüber die entscheidende Aussage machen, auf die die gesamt amerikanische Öffentlichkeit wartet: Ein Schuldeingeständnis.

Nixon und sein Beraterteam wollen genau das natürlich verhindern, was zu einem spannenden, nicht selten psychologischen Interessenskampf führt, der schließlich seinen Höhepunkt im finalen Wortgefecht der beiden Kontrahenten findet. Das dabei trotz des teilweise dokumentarischen Stils von Frost/Nixon nicht alles historisch korrekt dargestellt wird, liegt in der Natur des Films. Das macht ihn aber nicht weniger sehenswert, ist doch der Hauptaspekt des Films die mediale Inszenierung des Interviews: Nixon scheiterte weniger an seinen eigenen Aussagen, als an der Kraft der Bilder, die ins Fernsehen übertragen wurden.

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Ein weiterer guter Film, der sich mit dem Watergate-Skandal beschäftigt, ist übrigens der schon einmal kurz erwähnte Die Unbestechlichen aus dem Jahr 1976.

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