Fatales Marketing II: Sinnlose Versprechen

Der Neueste Streich der Netto-Marketing-Experten: Schilder an der Kasse, auf denen sinngemäß folgendes steht:

1. An dieser Kasse werden Sie freundlich begrüßt und verabschiedet.
2. Sie werden nach Ihrer Zufriedenheit gefragt.
Sollte einer dieser Punkte nicht zutreffen, können sie als Entschädigung 5€ verlangen.

Also Punkt 1 ist ja wohl selbstverständlich. Hier hilt das Gleiche wie bei der „Ich bin freundlich„-Kampagne. Wer solche Standards explizit erwähnt, weckt Gedanken an das Gegenteil.

Aber der zweite Punkt, wer denkt sich so etwas aus? Wenn ein Kunde unzufrieden ist, dann sagt er das gewöhnlich von sich aus. Gewöhnlich ist er dann zufrieden, wenn er kaufen konnte was er wollte, und wenn er freundlich behandelt wurde. Er hat aber bestimmt keine Lust, noch ein Gespräch über Gott und die Welt zu führen. Die meisten Leute sind ohnehin so sehr mit dem Einpacken ihrer Waren beschäftigt, dass sie so eine Frage eher aufschrecken würde. Außerdem kosten solche Maßnahmen Zeit – der gewöhnliche Kunde möchte an der Kasse aber eher ungern Zeit verlieren.

Zudem stelle ich es mir lustig vor, wenn Kunde und Kassierer darüber diskutieren, ob nun freundlich oder unfreundlich abkassiert wurde.

Schwachsinn.

Ganz unabhängig davon hat, wer auch immer das Kommunikationsnetz zwischen Nettofilialen und Hauptrechner seinerzeit einrichtete, anscheinend noch nichts vom Verfügbarkeitskriterium für verteilte Systeme gehört. Wenn dieses Netzwerk zwischen den Filialen nämlich zusammenbricht, können lokal nicht einmal mehr Kassen abgerechnet werden – und es funktionieren in allen Nettos die EC-Karten-Leser nicht.

Sehr geschickt.

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7 Antworten auf Fatales Marketing II: Sinnlose Versprechen

  1. Also im Kaufland ist das so, dass man gefragt wird, ob alles geklappt hat. Ich finde das zum kotzen!
    Weil entweder ich finde was nicht, dann frage ich im Laden die Mitarbeiter. Wenns sein muss eben mehrere. Oder eben es hat alles geklappt. Soll ich mich etwa an der Kasse ausheulen, wenn es den speziellen französischen Weichkäse, den ich sonst kaufe einmal nicht gibt?

    Wenn Netto diese Strategie fährt, dann sollten sie sich überlegen kleine Eckläden zu übernehmen. Das wäre eine prima Sache. Aber für einen Discounter ist das einfach nur blöd.

  2. onkelerika sagt:

    Wenn ich richtig informiert bin, sind die KassiererInnen im Kaufland sogar angewiesen, mit EC-Karte zahlende Kunden mit dem Namen anzusprechen.

    Ich glaube da würde ich mich als Kunde beschweren. Aber wer ist schon so verrückt und zahlt mit der EC-Karte?

  3. Sam sagt:

    Ich finde auch die Schilder schön, die jeden Kunden darüber informieren, dass die Kassierer angewiesen sind bei zu viel Andrang weitere Kassen zu öffnen (selber Discounter). Ich glaube, dass ich nie bei Netto arbeiten will…

  4. onkelerika sagt:

    Ja, wer sich das ausdenkt sollte selbst mal ein paar Wochen an der Front arbeiten. Das würde wohl weitere hirnrissige Büroideen verhindern.

  5. Matthias sagt:

    Was bitte schön ist falsch daran, bei viel Andrang weitere Kassen zu öffnen? Wenn ein Unternehmen Ressourcen in Form von Kassen vorhält, kann es diese bei entsprechendem Bedarf und weiteren Ressourcen, will heißen Mitarbeitern, auch nutzen. Als Kunde will ich ja nicht ewig anstehen.
    Die Meldung mit der EC-Karte kann ich bestätigen – auch ich habe schon so gezahlt und wurde mit Namen verabschiedet…

    An der Front habe ich auch schon gearbeitet… nur um negativen Äußerungen vorzubeugen 😉

    Viele Grüße

  6. onkelerika sagt:

    Gegen das Besetzen neuer Kassen ist natürlich nichts einzuwenden, dass ist ja auch oft notwendig. Aber so ein Schild, auf dem explizit steht, das bei einer “Schlangenlänge” ab exakt 6 Kunden eine neue Kasse zu öffnen ist, geht meiner Meinung nach total an den Erfordernissen der Realität vorbei.

    Zumal es den gewissen ewig meckernden Kunden natürlich noch Vorschub gibt. Ich meine, das die allermeisten Kassiererinnen und Kassierer sehr wohl in der Lage sind, nach eigenem Ermessen Unterstützung anzufordern.

  7. Matthias sagt:

    Das mag sein – ob diejenigen, die ständig im Supermarkt meckern, die gleichen Leute sind wie jene, die am Bahnsteig ihr Gehirn ausschalten und deswegen auf betriebliche Unregelmäßigkeiten nicht reagieren können? Ich hab’ da so einen Verdacht… 🙂

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