Eine Tüte voller Tüten

Bei Netto (ohne Hund) gibt es seit ein oder zwei Monaten Papiertüten für die Beutelvergesser, das Stück zu 19 Cent. Wie es ausschaut, sollen die Papiertüten die anderen ersetzen. Also nicht etwa die Plastiktüten für 10 Cent sondern die Stoffbeutel für 99 Cent. Ernsthaft? Ist ja schön, wenn sich auch die Discounter mal Gedanken um umweltfreundlichere Tüten machen, aber dann ausgerechnet die freundlichste Auswahl aus dem Sortiment nehmen?

Pro Kopf werden in Deutschland jährlich laut einer Studie (oder Umfrage?) 65 Plastiktüten verbraucht. Das ist wohl im Vergleich zu anderen Ländern schon ganz gut, durch die schiere Masse an Deutschen aber trotzdem richtig viel. Und ehrlich gesagt halte ich die Zahl auch für zu niedrig. Es geht doch nicht nur um Supermärkte, sondern auch um so ziemlich alle anderen Geschäfte. Gerade Kleidung verschwindet ja schneller im Werbebeutel als man „Geht ohne“ sagen kann.

Vor einiger Zeit hat auch Peer Schader vom Supermarktblog einen Artikel zum Tütendilemma und den Alternativen zur herkömmlichen Plastiktüte gebracht. Kurzfassung: Die Alternativen sind auch nicht unbedingt toll, weil sie entweder mehr Material, mehr Chemie oder mehr Energie bei der Herstellung brauchen.

Allerdings wird da von der falschen Prämisse ausgegangen. Es soll nicht eine Wegwerftasche durch eine andere ersetzt werden, sondern der Müll soll ganz wegfallen. Also alle Einwegtüten teurer machen, und zwar richtig. Da sind vermutlich auch die 19 Cent für die Papiertüte noch zu niedrig angesetzt. 50 Cent das Stück, dann kauft niemand mehr Einwegtüten. Klar, damit bestraft man die vergesslichen, aber irgendwann hat dann sicherlich jeder gelernt, dass zum Einkauf ein Beutel gehört. Zusätzlich können ja 80% des Tütenpreises für die Umwelt genutzt werden, damit nicht einfach nur der Supermarkt daran verdient.

Nur für die kleinen Gemüsetüten, in die einige Leute JEDES VERDAMMTE DING EINZELN EINPACKEN müsste man sich noch was gescheites ausdenken.

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4 Antworten auf Eine Tüte voller Tüten

  1. Zu „Gemüsetüten“: Hier kann mich der vorbildliche Supermarktkassierer unterstützen, in dem er regelmäßig das Fließband abwischt. Dann brauche ich die ollen Tüten nämlich nicht. Fast jedes Obst/Gemüse (von Beeren mal abgesehen) lässt sich ohne Tüte in den Rucksack oder die mitgebrachte Tragetasche packen. Dass Leute das Gemüse einzeln in Tüten packen hängt möglicherweise damit zusammen, dass es sonst beim Wiegen an der Kasse wieder aus dem Beutel gefummelt werden muss.
    Z.B.: Herr W.:„Die roten und gelben Paprika können Sie gleich zusammen wiegen, die kosten das gleiche.“ – Kassiererin: „Das darf ich leider nicht.“ *Tüte aufknot*

    Ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben eine Plastetüte/Tragetasche im Supermarkt gekauft. 🙂

  2. HP sagt:

    Ja das kommt von den selbst abgewogenen Gemüsen. Daß man auch mehrere Wiegeetiketten auf eine Tüte kleben kann, scheint sich noch nicht rumgesprochen zu haben. Ich benutze die Tüten dann wenigstens noch als Mülltüten.

  3. Onkel Erika sagt:

    DIe Leute packen ja nicht nur Gemüse einzeln in die Tüten, sondern auch Joghurt, Mehl, Tiefgefrorenes und andere Tüten.

    Die Sache mit dem Abwiegen ist natürlich komplizierter, aber wenn man unbedingt eine Tüte will könnte man die Stücke ja erstmal AUF die Tüte legen und kann sie nach dem Wiegen einfach hineinlegen.

    Selbst abwiegen kenne ich übrigens nur vom Kaufland und vergesse das dort immer (selten wie ich da bin), weil man das nirgendwo anders machen muss.

    Und eine saubere Kasse ist natürlich wünschenswert, allerdings wird Obst und Gemüse durch die Kasse sicherlich nicht mehr verunreinigt als durch die vielen Patschehändchen die das Gemüse vorher schon angegrabscht und wieder weggelegt haben.

  4. Thor sagt:

    Gehe immer mit ner Slub-Tüte, einem Rucksack und einer 3 Jahre alten Tiefkühltüte zum Einkaufen (Reicht für den Wocheneinkauf einer Person). Obst und Gemüse in Plastiktüten sollten man endlich mal verbüten!

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