Ein Stück Mauer in Taibei

Zum zwanzigsten Jahrestag der Grenzöffnung zwischen der DDR und der BRD bekam Taiwan laut einem Bericht von Radio Taiwan International ein Stück der Berliner Mauer geschenkt – als viertes Land nach den USA, Finnland und Polen. Das kann man als eine symbolische Geste zur Unterstützung von Freiheit und Demokratie werten, die in Taiwan sehr hoch geschätzt werden. Obwohl hier seit Regierungsantritt von Präsident Ma auch Rückschritte zu verzeichnen sind.

Das Geschenk bringt aber auch eine viel negativere Konnotation mit sich. Bekanntlich führte die Grenzöffnung zur „Wiedervereinigung“, oder eher, der Eingliederung der DDR in die Bundesrepublik. Überträgt man dieses Szenario mal auf die Taiwan-Frage, kann man sich leicht vorstellen, wer hier wen wieder eingliedern würde. Und das ist ganz bestimmt keine schöne Vorstellung für die taiwanische Bevölkerung. Schon gar nicht, wenn man das neue Denkmal mit dem 228-Zwischenfall in Verbindung setzt.

Das selbst gemachte Foto vom 228-Denkmal in Taichung kann ich hier leider nicht zeigen, weil ich dieses Foto entgegen meiner kurzzeitigen Auffassung nie aufgenommen habe.

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2 Antworten auf Ein Stück Mauer in Taibei

  1. Koloradokäfer sagt:

    Ich esse gerade Räucherkäse mit Schinken. Der ist sehr lecker. *njamnjam*

    So, zum Thema: Sieh doch nicht alles so negativ. Es ist doch eigentlich sehr naheliegend, dass das Geschenk gut und nicht böse gemeint ist, oder? Ein freundliches Geschenk wäre sicher auch mal, wenn man Taiwan als Staat anerkennen würde. Ich schätze, das Wirtschaftsembargo durch China würden wir verkraften. Klar, wir müsste dann wieder Socken flicken, weil die deutschen Socken zu teuer sind um sie beim ersten oder zweiten Loch wegzuschmeißen, aber das wäre es mir wert. Und was den Export angeht waren das 2007 gerade mal 30Mrd. Euro (1/30 des gesamten Exportvolumens) sagt Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Export#Deutschland)

    Ich schlage vor, du suchst dir einen Job bei der Bundesregierung, als Berater im Auswärtigen Amt in Taiwan-Angelegenheiten, damit in Zukunft bessere (”ausdrucksrichtige”)* Geschenke gemacht werden. Und bei deinen zahlreichen Auslandsaufenthalten kannst du dann auch das Fotografieren nachholen.

    *Diese Wortkreation stammt von mir. Aber wenn du dann Beamter bist, kannst du sie gern kaufen.

  2. onkelerika sagt:

    Dass das Geschenk gut gemeint ist, will ich doch stark hoffen. Aber wie sagt man noch? Das Gegenteil von gut … Gerade auf so einer diplomatischen Ebene sollte man sich doch wirklich gut überlegen, wem man was schenkt.

    Die Anerkennung Taiwans wäre in der Tat ein längst überfälliges “Geschenk”. Damit wäre auch die Kritik an den Chinesischen Zensur- und Unterdrückungsmaßnahmen glaubwürdig. Aber das werden die deutschen Kapitaleigner schon zu verhindern wissen.

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