Dota und die Stadtpiraten

In den Jahren der Verwilderung hier hat sich einiges an Musik angesammelt, die einer Vorstellung mehr als würdig wäre. Von Kinofilmen mal ganz zu schweigen. Aus aktuellem Anlass darf hier nun endlich wieder ein zartes Pflänzchen Musik gedeien.

Schon nießte Nutz, schon machste mit und findest’s doch irgendwie falsch —
das ist Dein Stein, den hältst Du fest.
Statt Befehlen gibt’s hier einfach den Verweis aufs eigne Wohl
und die Angst tut dann den Rest.
Du zeigst die Zähne, wie ein Lächeln sieht es aus,
kommt alle rein, denn verdammt, ich komm nicht raus!

Glashaus

Treffend formuliert von Dorothea Kehr, die zusammen mit ihrer Band unter dem Namen Dota und die Stadtpiraten tanzbaren Songwriter-Bossa-Folk-Reggae-Jazz-Rock macht. Auf älteren Alben mit noch etwas anderer Bandbesetzung klingt das noch nicht immer so spannend. Die Band produziert ihre Alben komplett selbst und musste bei der Abmischung erst ein wenig üben. Spätestens seit Immer nur Rosinen (Zimmer) haben die Stücke aber durchgehend einen schönen vollen Klang.

Die Texte sind schon seit dem ersten Album einfach toll. Was Frau Kehr hier reimt lässt auch eine Judith Holofernes verblassen. Das nimmt nicht Wunder, zählen doch Meister des klugen Textes wie Sven Regener (Element of Crime) und Gerhard Schöne zu den Vorbildern. Bei letzterem borgte sich Dota die schöne Textzeile „Ein bergendes Zelt, mit dem Fenster zum Himmel und der Türe zur Welt“ aus seinem Lied Unterm Dach. Neue Heimat: Alles Du, alles Dur. So ganz ungeniert wollte sie sich dann aber doch nicht mit fremden Federn schmücken – und schrieb Schöne einen Brief, beinhaltend die Frage nach der Erlaubnis. Der hielt seine Schöpfung in ihrem Lied sehr gut aufgehoben, empfahl die Band dem Buschfunk und verhalf der Band damit zu ihrem Plattenvertrag.

So erzählte die symphatische Sängerin auf ihrem Konzert in der Tante Ju. Das fing etwas später an als geplant, weil die etwa dreißigköpfige Vorband ganze 90 Minuten gespielt hat. Beim 2:0 hat sie dann aber aufgehört. Unnötig, aber das hat dem nachfolgenden Konzert keinen Spaß abgebrochen. Mit einer unheimlichen Spielfreude haben die vier Musiker aus Berlin dem tollen Publikum über zwei Stunden die Beine vom Boden gezogen. Zwar ließ sich kein dem Platzmangel im Auto gerecht werdend kleiner Trompeter mehr finden, der Sound war aber trotzdem erste Klasse und nochmal ein Stück mitreißender als der Klang aus dem Studio. Den Trompeter hat Frau Kehr übrigens erstklassig mit einer spektakulär eingesetzten Tröte ersetzt. Kleine Live-Impression: Immer die andern

Das neueste Album hört auf den Namen Bis auf den Grund und ist definitiv eine Hörprobe wert, z.B. Utopie, Erschlossenes Land oder Containerhafen.

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2 Antworten auf Dota und die Stadtpiraten

  1. Koloradokäfer sagt:

    Freundlicher Hinweis: Im Feed steht als Datum Mittwoch, 26.05. 13:07 … deshalb ist nicht klar, dass das Konzert am Samstag und damit parallel zu diesem ganzen Fußball-Kack war. Das wiederum führt dazu, dass es bei der Erwähnung des 2:0 schon eines gewissen Denkspagats bedarf.

  2. onkelerika sagt:

    Dass der Feed kaputt ist, ist schlecht.

    Dass man auch mal denken muss, ist Absicht.

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