Die Unbestechlichen

Wenn Marcel Reich-Ranicki meint, das deutsche Fernsehprogramm sei größtenteils Dreck, so kann man ihm da nicht widersprechen, sondern kann nur zustimmen. Wenn Sendeformate wie Galileo als Wissenssendung durchgehen, obwohl nur die primären menschlichen Triebe Lust und Hunger angesprochen werden, wenn bildschirmfüllende Werbung sogar noch zwischen den Werbeblöcken in Spielfilmen und Sportübertragungen ausgestrahlt wird, wenn voyeuristische Formate die Jagd auf Sozialbetrüger zeigen und die Erniedrigung von Menschen durch selbsternannte Promis jeden Abend Millionen vor den Fernseher locken, dann fragt man sich, ob dies von den Zuschauern wirklich gewollt wird. Oder ob dieser Wille doch induziert ist beziehungsweise der scheinbare Mangel an Alternativen zum Fernsehen auch noch die schlechtesten Sendungen mit den besten Einschaltquoten beschert.

In Deutschland produzierte Fernsehserien oder Fernsehfilme wirken im Vergleich zu ihren amerikanischen oder britischen Vorbildern meist unheimlich billig, was überhaupt nicht an den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln, sondern einfach an der Einstellung zum Fernsehen liegt. Dass es auch hierzulande nicht an an fähigen Regisseuren und Schauspielern mangelt, beweisen viele gute deutsche Kinofilme. Leider scheint selten jemand gewillt, diese Qualität auch ins TV zu übertragen.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, sowohl auf den öffentlich-rechtlichen und Kultursendern, als auch den Privatsendern – auch wenn empfehlenswerte Spielfilme in der ARD oft erst ab 0 Uhr laufen.

Die Themenabende auf ARTE finden gefühlt unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, obwohl diese immer Meisterwerke des Films mit guten Dokumentationen und Features verbinden. Zum Beispiel der heutige Abend zur Präsidentschaftswahl, mit dem Politikdrama Die Unbestechlichen, einem Film über zwei Journalisten der Washington Post, die mit ehrlichem, herkömmlichen Journalismus, ohne Internet und Handy, stattdessen mit Wahlscheibentelefonen und dicken Büchern die Watergate-Affäre aufdecken.

Danach Mr. President, in dem die Darstellung amerikanischer Präsidenten in verschiedenen Hollywood-Filmen wie Wag the Dog oder Independece Day beleuchtet wird.

Alternativ kann man natürlich auch Galileo Mystery: Die Wahrheit über den Da Vinci Code anschauen.

Marcel, erlöse uns!

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