Die Illusion vollkommener Freiheit

Diktaturen machen aus ihren Bürgern rechtlose Untertanen. Demokratien hingegen gewähren ihren Bürgern gezielt einige Freiheiten, um so die Illusion vollkommener Freiheit zu erzeugen. So erklärt ein Mitarbeiter der Staatspolizei im Film das verhör den Unterschied zwischen beiden Systemen. Der Film, gedreht als No-Budget-Independent-Produktion in Dresden, handelt von einem Verhör, das besagter Beamter mit einem Mann führt, der sich zunächst keines Verbrechens bewusst ist – was nur zum Teil seiner Ruhigstellung durch eine Droge geschuldet ist. Zusammen mit seiner langsam wiederkehrenden Erinnerung entwickelt sich auch das Verhör weiter.

Das ist leider nicht unbedingt schön anzusehen, hier merkt man die stark begrenzten finanziellen Mittel, aber doch sehr spannend anzuhören. Der Film hätte als Hörspiel wahrscheinlich besser gewirkt. Nichtsdestotrotz ein packendes Kammerspiel, mit vielen intelligenten Sätzen, die zum Nachdenken einladen.

Ein wenig nachdenken sollte wohl auch mal Herr Eggert von der sächsischen CDU. Der war heute in der Sendung Kontrovers zum Thema DDR-Geschichte – Verklärung und Wahrheit eingeladen. Dort meldete sich auch ein Hörer zu Wort, der ungefähr folgendes sagte (etwa ab 27:20 min, hier nicht wortgetreu wiedergegeben):
Quote:

Was haben wir eigentlich aus der DDR gelernt […] Was ist mit der der Sicherheits- und Kontrolldebatte? Was haben wir davon behalten an Kritik? Wir haben gegen die Stasi demonstriert, gegen die ständige Überwachung[…] Ich erlebe heute eine sehr unkritische Masse, auch in Ostdeutschland, in Leipzig, einer Stadt, die gerade im Innenstadtbereich massiv von Kameras überwacht wird. Es gibt kaum Kritik in der Bevölkerung. Was haben wir gelernt? […] Was ist mit der Ideologie, mit dieser Verbohrtheit, das selbst kurz vor der Wende auch immer noch die SED-Kader der Meinung waren, dass es so weiter laufen wird. […] Heute haben wir die Krise. Was tun die Herrschenden, die Politiker? Sie denken, es würde so weiter gehen, wenn sie die Krise überwunden haben, wieder Wachstum. Was haben wir gelernt?

Das sind alles wichtige und intelligente Fragen. Herr Eggert aber sieht das nicht so und unterbindet eine Diskussion gleich mit folgendem, sehr einleuchtenden Argument:
Quote:

Ich kann nicht Einrichtungen und Systeme einer Diktatur […] vergleichen mit unseren demokratischen Strukturen.

In […] stehen, zur Unterstreichung der These, viele Missstände der DDR. Das macht die Aussage trotzdem nicht wahrer. Offenbar versucht sich Herr Eggert da mit nixon’scher Philosophie:
Quote:

When the President does it, that means it is not illegal.

Hoffentlich scheitert er auch so spektakulär. Denn was nützt die beste Demokratie auf dem Papier, wenn die Möglichkeiten der politischen Partizipation an den Vertretern des „Volkes“ einfach abprallen?

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