Die Filter Bubble

Letztes Jahr stellte Eli Pariser in einem Buch seine These von der Filter Bubble vor (hier als sehenswerter TED-Talk). Diese Theorie besagt, dass Internutzer sich zunehmend in einer Blase befinden, die bestimmte Informationen blockiert. Diese Blase entsteht durch automatisierte Algorithmen von Diensten wie Google und Facebook, die Informationen nach den Vorlieben der Nutzer bestimmen. Folglich können bei einer Google-Suche die Ergebnisse von Nutzer zu Nutzer unterschiedlich sein. Im Beispiel von Pariser besteht eine Ergebnisseite zur Suche Ägypten hauptsächlich aus Nachrichten zur Revolution, während die Ergebnisse eines anderen suchenden vor allem aus Reisetipps bestehen. Es ist also möglich, mit einer Suche nach weiteren Informationen nur noch sich selbst bestätigt zu sehen – was natürlich ohne Frage ein gutes Gefühl ist.

Im Merkur erschien nun ein Essay von Christoph Kappes unter dem Titel Warum die Gefahren der »Filter Bubble« überschätzt werden. Nachdem der Autor zunächst erklärt, was die Filter-Bubble ist, argumentiert er sehr eigenartig, warum von der Bubble keine Gefahren ausgehen, um dann abschließend doch wieder davor zu warnen.

Kappes Argumentation krankt hauptsächlich an zwei Unterstellungen: Erstens, dass Pariser behaupte, die Bubble sei etwas neues und zweitens, dass er das Internet gegen traditionelle Medien ausspielen wolle. Ich habe sein Buch nicht gelesen, aber zumindest im TED-Vortrag sagt er explizit, dass die Filter nichts neues sein, dass sie in Zeitschriften durch Verlage etc. schon immer bestanden. Gefiltert wurde und wird da aber nicht durch Algorithmen, sondern durch Menschen, die sich (hoffentlich) durch Ethik und Moral leiten lassen. Kappes bemerkt richtig, dass sich natürlich jeder auch schon immer in seiner ganz eigenen Filterblase befindet. Es ist doch aber ein erheblicher Unterschied, ob diese Filter ganz bewusst eingesetzt oder durch einen nicht bekannten Algorithmus erzeugt werden.

Das Internet filtert nicht wie herkömmliche Medien Informationen für den Rezipienten weg, sondern eröffnet nur potentiell unendlich viele gefilterte Sichten. Gern wird zur Veranschaulichung die Cafeteria als Beispiel genannt, die durch die Vorauswahl an Mahlzeiten die Möglichkeiten verringert, während das Web sozusagen alle Zutaten mit Rezepten bereitstellt.

Diese Argumentation funktioniert eben nur dann, wenn im Internet keine solchen Filter angewendet werden. Andernfalls sieht man nur die Rezepte, von denen irgendein Algorithmus ausgeht, dass sie einem auch schmecken. Es ist wichtig zu sagen, dass dies keine Zensur ist. Die Informationen verschwinden nicht, sie werden nur schwerer zugänglich. Wenn sich aber 90% der Klicks einer Google-Suche auf die ersten zehn Ergebnisse verteilen, lässt sich unschwer ausdenken, welche Auswirkungen das hätte.

Sich bewusst zu machen, dass Informationen die man aus Netzwerken wie Facebook oder Diensten wie Google erhält, nicht neutral ausgewählt sind, ist ein erster Schritt, um die Bubble dünner zu machen. Wer gänzlich ungebubbled sein will, dem bleibt wohl nur die weitestmögliche Anonymität.

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Eine Antwort auf Die Filter Bubble

  1. Thor sagt:

    Ein zum Thema passender Beitrag begegnete mir vor einigen Monaten. Ich war erstaunt, da ich noch nie darüber nachgedacht hatte, aber letztlich ist dies ja die zentrale Frage, die durch eine de facto unbegrenzte Menge an verfügbaren Informationen gestellt wird: Wie kann man diese Informationen in eine dem Menschen begreifliche Menge und Form bringen, ohne Zensur zu üben. Dass diese Filter unabdingbar sind zeigt bereits die Tatsache, dass sich viele Menschen im Café nicht zwischen fünf Sorten Kuchen entscheiden können, um das Beispiel aufzugreifen. Ich denke in diesem Bereich gibt es noch viel Arbeit zu tun, um diese Blasen platzen zu lassen.

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