Der letzte schöne Herbsttag

Fühlt man sich zu Beginn eines Kinofilms wie in einem Frosta-Werbespot, darf man schon mal skeptisch sein. Handelt es sich noch dazu um einen Beziehungsfilm, könnte man das Kino schreiend verlassen. Geht es aber um Der letzte schöne Herbsttag, sollte man besser sitzen bleiben. Würde man doch sonst einen sehr amüsanten, erfrischend unkonventionell gemachten deutschen Film verpassen.

Claire und Leo sind so eine Art Paar. Kennengelernt haben sie sich im Fahrradladen, als Leo dort seinen Platten flicken lassen wollte und Claire das ziemlich bescheuert fand, woraufhin Claire den Reifen repariert und Leo für sie kocht. Eines kommt zum anderen, Claire repariert noch mehr, Leo kocht Dinge ohne Namen, und schließlich sind sie ein Paar. Oder sowas ähnliches.

Das klingt nun nicht gerade spannend. Ist es aber. Denn wir sehen das als Zuschauer nicht etwa vorgespielt, sondern bekommen es von den beiden erzählt. Direkt in die Kamera. In ihren jeweiligen, sich teils stark unterscheidenden Versionen, natürlich. Als der Film in das Leben der beiden einsteigt, ist die Beziehung schon an einem Wendepunkt, viele der Geschichten gehen eher kritisch mit dem Partner um. So regt sich Clair auf, dass Leo sich nie Gedanken über die Gefahren macht, in denen er gerade schwebt. Er hingegen mein, sein Humor sei der einzig richtige Umgang mit ihrer Hypochondrie, der sie nicht wirklich krank werden lässt.

Julia Koschitz und Felix Hellmann spielen das Pärchen so toll, dass es einfach eine Wonne ist ihnen zuzuschauen und zuzuhören. Göttlich die Szene, in der beide als Karotten im Wohnzimmer stehen und nicht wissen, was sie sagen sollen. Oder als beim ersten Treffen mit den Eltern Redeverbote erteilt werden, damit auch ja alles gut läuft.

Ein tolles Kleinod deutscher Filmkunst.

Empfehlenswert!

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