Der Cowon und die Podcasts

Letzte Jahr habe ich mir endlich einmal wieder einen neuen MP3-Player gekauft. Mein alter iRiver T10 war wirklich genau das: alt. Die Tasten gingen teilweise kaum noch und 512 MB SPeicherplatz reichen ja gerade einmal für drei größere Podcasts. Ein neues Modell musste also her und die Wahl fiel auf den Cowon J3, da der in den meisten Tests richtig gut abschnitt.

Das Gute

Insbesondere die Klangqualität wurde immer wieder besonders hervorgehoben. Und tatsächlich gibt es an der auch nichts auszusetzen, die entsprechenden Kopfhörer vorausgesetzt erhält man ein exzellentes Hörerlebnis, auch das Display ist gut, allerdings war das für mich eher zweitrangig, da ich sehr selten unterwegs Videos schaue. Der Cowon hat keinen Internetzugang, also natürlich auch keinen App-Store oder ähnliches. Das war mir vorher klar und war für mich damals auch kein Problem, mittlerweilse wäre es wohl sogar ein Ausschlusskriterium. Doch dazu später mehr.

Der Cowon unterstützt die gängigsten Formate und bietet ein cooles Lesezeichen-System, das vor allem für Podcasts und Hörspiele sehr nützlich ist. Wenn man während eines dreistündigen Podcasts mal ein wenig Musik einstreuen will setzt man sich einfach ein Lesezeichen und kann später einfach an der Stelle weiterhören. Die Zahl der Lesezeichen scheint nicht begrenzt zu sein, und wenn doch, dann so hoch dass man diese Grenze mit sinnvollem Gebrauch wohl nicht erreichen wird.

Die Akku-Laufzeit ist hervorragend. Verzichtet man auf Videos kann man zwischen zwei Aufladungen locker 50-60 Stunden Musik hören.

Je nach Modell bietet der J3 bis zu 32GB Speicherplatz, erweiterbar noch mit einer MicroSD (Micro bezieht sich dabei nur auf die physische Größe der Karten, die bieten mittlerweile auch Speicherplatz von 32 GB und mehr). Das heißt auf den Player kann man richtig viel Musik und Podcasts ziehen.

Das Böse

MP4 wird nur so halboffiziell unterstützt. Das heißt zum Beispiel, dass Kapitelmarken einfach ignoriert werden. Außerdem gibt es Abspielprobleme bei längeren Dateien, ähnliches ist mir auch passiert mit manchen sehr langen ogg-Dateien. Hängt wohl auch mit dem gewählten ogg-Container zusammen.

Die USB-Verbindung ist recht langsam, das erste Befüllen kann also eine ganze Weile dauern.

Der Akku ist leider proprietär, allerdings ist das vermutlich bei den meisten Modellen dieser Größe so.

Das Hässliche

Bei so viel Speicherplatz und entsprechend großen Dateimengen erwartet man eine gute Verwaltung. Und genau hier versagt der J3. Der Cowon bietet zwei Arten des Zugriffs. Die erste ist die Navigation über die Ordnerstruktur, wie man sie gewohnt ist. Die zweite Möglichkeit basiert auf einer Datenbank, die der Player aus den Tags der Musikdateien erstellt. Man könnte jetzt also ein Album abspielen, indem man entweder zu dessen Ordner navigiert und einen Song daraus auswählt oder aber indem man zuerst den Künstler sucht und danach das Album und dann wieder einen Song auswählt. Es gibt aber schon mal keine Möglichkeit direkt zu sagen, „spiele dieses Album“ oder „spiele diesen Ordner“. Das geht erst nachdem ein einzelner Song ausgewählt wurde.

Da stellt sich die Frage: Wie spielt man zwei Alben ab? Dazu bräuchte man eine Playlist. Die lassen sich aber nicht direkt am Player erstellen, sondern nur am Computer. Noch dazu ist die Art der Playlist abhängig vom Verbindungsmodus des MP3-Players mit dem Computer (MSC oder MTP). Ein Desaster: Playlists funktionieren ab einer Liederzahl von etwa 300 gar nicht mehr. Das klingt erstmal viel, aber wenn man bedenkt wie viel Musik auf 32 GB passt ist das schnell gar nicht mehr so viel. Was bedeutet das? Man hört entweder nur ein einzelnes Album, alle Alben eines Künstlers, eine Jahres oder eines Genres oder alles was auf dem Player ist. Musik, die keine solche Verbindung hat lässt sich nicht in eine Playlist packen ohne den Computer zuhilfe zu nehmen. Das ist richtig nervig.

Insbesondere dann, wenn man auf dem Player nicht nur Musik, sondern vielleicht auch noch Podcasts, Hörspiele, Sprachkurse oder eben andere Audiodateien hat. Wählt man nämlich die Option „Alles anhören“ wird auch wirklich alles angehört. Es gibt keine Möglichkeit etwa Podcasts in ein spezielles Podcast-Verzeichnis zu verschieben, dass dann ignoriert wird. Das heißt umgedreht auch, dass Podcasts überhaupt nicht als Podcasts behandelt werden, sondern einfach nur als Audiodateien.

Noch dazu ist die Datenbankverwaltung noch nicht einmal in sich konsistent: Bei der Sortierung nach Künstlern werden die Alben angezeigt, bei der nach dem Genre zunächst die Künstler und dann die Alben. So weit, so richtig. Bei der Sortierung nach dem Erscheinungsjahr werden aber nur noch die einzelnen Songs angezeigt, unabhängig von Künstler und Album in eine große Liste geworfen. Eigene Tags ignoriert die Datenbank völlig.

Das Fazit

Wer kein Problem damit hat, sich auf am Computer erstellte und recht streng limitierte Playlists zu beschränken oder seine Musik sowieso immer nur Albums- oder Künstlerweise anhört, für den kann der Cowon J3 etwas sein. Wer unterwegs komplexere Playlists erstellen will ist aufgeschmissen. Für Podcasthörer, die etwas Komfort haben möchten kann ich den Cowon leider gar nicht empfehlen.

Anmerkung

Ich kann den Cowon leider nicht mit anderen Modellen vergleichen, da dies mein erster MP3-Player dieser Größe ist. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es keine Modelle gibt, die die Verwaltung nicht viel besser implementieren.

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3 Antworten auf Der Cowon und die Podcasts

  1. Thor sagt:

    Sehr hilfreicher Artikel. Ich hatte neulich auch überlegt, mir einen MP3-Player zu kaufenb, nachdem mein GoGear wie befürchtet nach einiger Zeit mechanis vollkommen versagt. Das Befüllen hat vermutlich etwas mit dem Flash Speicher des Players zu tun. Da USB 2.0 im High Speed Mode 400 Mbps unterstützen muss, sollte das Befüllen eines schnellen MicroSD Chips fixer gehen. Wäre einen Versuch wert. Aber zurück zum MP3 Player-Kauf. Da ich auch großen Wert auf eine Internetanbindung gelegt habe und nicht zu viel Geld ausgeben wollte, bin ich doch bei meinem HTC Telefon hängen geblieben. Die Soundqualität wird sich nicht mit einem teuren Player messen können, reicht mir jedoch für unterwegs allemal. An der Navigation durch die Bibliothek konnte ich bislang überhaupt nichts aussetzen, zumal man hier natürlich GooglePlay sei Dank die Wahl hat, welcher Player seinen Dienst verrichten darf.

  2. Thor sagt:

    Korrektur: der High Speed Mode von USB 2.0 definiert 480 Mbps

  3. Onkel Erika sagt:

    Zum USB: Ich habe das nie nachgemessen. Ziemlich sicher bin ich aber, dass der Player sehr weit von 480 Mbps entfernt ist, obwohl nach USB 2.0 High Speed spezifiziert. Könnte tatsächlich am Flashspeicher liegen. Zur Verteidigung des Cowon: Man liest bei ziemlich vielen Playern, dass das Beschreiben deutlich länger dauert als theoretisch möglich.

    Zum Smartphone: Da kommt morgen noch ein Artikel 😉

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