Der Amoklauf und die Medien

Um den vorherigen Beitrag nicht zu sehr aufzublähen, hier noch ein paar Anmerkungen und Links zum Thema.

Meiner Meinung nach haben die verschiedenen Medien dieses mal deutlich ausgewogener berichtet, als das sonst der Fall war – wenigstens, was die „Killerspiele“ angeht, die für mich hier der Aufhänger waren – vielleicht die ersten Anzeichen meiner Voraussage?

Im Gegenteil hat sich, zumindest im Netz, die Diskussion gänzlich weg von den Computerspielen hin zur Diskussion über die Berichterstattung in den Medien hinbewegt. Dazu gibt es nicht nur eine sehr lesenswerte, halbsatirische Aufarbeitung in Hanno’s Blog oder beim Spiegelfechter, sondern auch eine Kontroversausgabe namens Die Medien und der Amoklauf von Winnenden (mp3) des Deutschlandfunk.

Eine Szene, die auch mich schockiert hat, fand auch im Fernsehblog unter Der Amoklauf als Wetterbericht: Notizen zum Ausnahmezustand Erwähnung:

„Ich versteh die Welt nicht mehr. Meine Tochter war in der zehnten Klasse, die hat das alles live miterlebt. Die sitzt jetzt zuhause, zittert und weint. Sie sind aus dem Fenster gesprungen, sie und ihre Freundin.“

Warum die Mutter nicht zuhause bei ihrer Tochter war, und stattdessen vor der Schule Interviews gab, war nicht zu erfahren, weder im „Explosiv“-Spezial noch bei „RTL aktuell“, wo der Ausschnitt in der Dauerrotation lief — bis die Kollegen vom ZDF übernahmen, für die die Mutter noch einmal ganz ähnliche Zitate lieferte, die zigmal in „heute“ und im „ZDF spezial“ wiederholt wurden.

Sich nicht mit Ruhm bekleckert haben wohl sich wieder mal Hart aber fair und der Spiegel.

Sehr lesenswert (wenn auch ohne Großbuchstaben) der Beitrag unfassbar? vom graubrotblog, der darüber schreibt, dass Gewaltfantasien, gerade bei Schülern, nicht so selten sind wie viele vorgeben zu glauben, sowie Pöbeljournalismus von Steffan Niggemeier und die von ihm empfohlenen Artikel eines Winnenders:

Als die Schüler der Albertville-Realschule heute morgen erstmals wieder zum Unterricht gingen, da hatte der Kiosk am Winnender Marktplatz den Stapel des „Spiegel“ mit einer Pappe bedeckt. „Die sollte man grad wieder zurückschicken“, regte sich eine Mutter auf, mit zwei sichtlich verängstigten Schülern an der Hand. Stumm nickte die Verkäuferin.

Wem das noch nicht reicht, der kann sich wie immer umfangreich und gut bei Telepolis: Mörderische Wut weiter belesen oder die von citronengras verlinkten Vortragsmitschnitte zum Thema Wie das System Schule Verlierer und Gewalt produziert anhören.

Schlussendlich möchte ich noch speziell zum Thema Amokläufe und Computerspiele die Expertenrunde Sündenbock Computerspiele? der Gamestar in Form eines dreiteiligen Videos empfehlen. Nicht nur die Spiele werden hier angesprochen, sondern auch wieder die Medien und viele andere Aspekte. Dabei wird, obwohl es sich bei der Gamestar natürlich um eine Spielezeitschrift handelt, auch ziemlich selbstkritisch argumentiert.

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