Der 1999-Modus (jetzt mit kurzem Update!)

Das Computerspiel Bioshock Infinite hatte ihn als erstes, den 1999-Modus. Damit spielt sich das Spiel in etwa so, als wäre es 1999 veröffentlicht worden statt 2013. Da kann die Telekom natürlich nicht zurückstecken und plant ihren eigenen 1999-Modus. In nicht so ferner Zukunft werden sich DSL-Anschlüsse wieder so anfühlen, als wären sie gerade erst erfunden. Und noch nicht eingeführt. Denn die ersten DSL Anschlüsse, die im Juli 1999 von der Telekom ins Netz gelassen wurden, konnten immerhin schon 768Kbit/s übertragen. Gedrosselte DSL-Anschlüsse der Telekom werden hingegen nur noch auf die Hälfte dieser Geschwindigkeit kommen. In drei Jahren ist es wohl soweit. Dann ist der Geschwindigkeitsunterschied auch noch besser spürbar.

Die Höhe des verfügbaren ungedrosselten Volumes hängt von der gebuchten DSL-Geschwindigkeit ab, 75GB ist das niedrigste. Für Leute die Youtube nicht kennen ist das vermutlich sogar ausreichend, damit kommt man schon ein gutes Stück weit. Aber Musikdienste wie Spotify und immer mehr Video-on-Demand (ja, sogar in Deutschland!) werden garantiert zu erheblichen Trafficsteigerungen führen. Laut der Tabelle der Telekom wäre das Limit für meinen Anschluss bei 200 GB. Letzten Monat habe ich etwa 160 GB an Daten hoch- und runtergeladen, in diesem Monat sind es bislang 70 GB. Die entstehen hauptsächlich durch Youtube-Videos und Video-on-Demand, da ist kein Filesharing dabei – ich gebe Ihnen mein Ehrenwort! Bislang nutze ich mangels passendem Fernseher keine HD-Auflösungen für Video-on-Demand, sollte sich das aber mal ändern, würde der Traffic nochmal ein ganzes Stück in die Höhe schnellen.

Klar, auch ein einzelnes übertragenes Bit kostet vermutlich etwas, und dass Wenignutzer für Vielnutzer mitbezahlen klingt erstmal unfair. Das ist in vielen anderen Bereichen aber auch so (Straßen, Opernhäuser, ÖR-Fernsehen,…). Und im Gegensatz zu etwa Wasser und Strom geht es hier um Informationen, die übertragen werden. Das der (dringend nötige) Netzausbau bezahlt werden muss, ich auch klar. Aber das ist der schlechtest mögliche Weg.

Update: Falls das nicht richtig rüberkam, klar ist es argumentierbar, dass Vielverbraucher mehr zahlen als die anderen. Fände ich zwar nicht gut, wäre aber „ok“. Das Internet aber auf Steinzeitgeschwindigkeit zu drosseln ist nicht ok. Früher haben die Leute zwar auch mal mit Modems gesurft, da waren die Webseiten aber auch drauf angepasst. Heute ist das alles so komplex, da will man nicht mit 384Kbit/s surfen. Und Multimedia (das klingt so 90er!) ist ganz raus. Was aber noch viel schlimmer ist: Die Telekom will eigene Dienste aus der Limitierung rausnehmen. Das wäre dann das Ende der Netzneutralität.

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2 Antworten auf Der 1999-Modus (jetzt mit kurzem Update!)

  1. Thor sagt:

    Ich glaube das Problem sind die Backbones. Die Anbieter bekommen es einfach nicht hin, entsprechende Datenraten zu garantieren. Man rechne dazu einfach mal die Geschwindigkeit durchschnittlicher DSL Zugänge mal Anzahl der DSL Anschlüsse. Das Problem sind die Unmengen von Video die durch Youtube und Kollegen übertragen werden wollen. Die Lösung der Telekom ist natürlich Unsinn und man hofft dass die Bundesnetzagentur noch ein Wörtchen dazu sagt, aber das Problem besteht dennoch und der Netzausbau ist dem nicht im Ansatz gewachsen.

  2. Onkel Erika sagt:

    Ja, eigentlich sollte der Netzausbau direkt von staatlicher Seite aus erfolgen. Denn dass der in ernormen Umfang nötig ist, ist ja seit Jahren klar. Und zwar in die Breite und in die Tiefe, sozusagen. Also dass endlich mal wirklich alle, egal ob in der Stadt oder auf dem Land überhaupt DSL haben und dass dieses DSL dann auch garantiert zeitgemäße Geschwindigkeiten bringt. 16.000 kBit/s sollten da mittlerweile das Minimum sein.

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