Cloverfield

Sprüche wie „Die einen werden den Film lieben, die anderen ihn zum Kotzen finden“ sind gewöhnlich maßlos übertrieben. Nicht so bei Cloverfield. Aus empirischer Erkenntnis kann ich sagen, dass exakt 50% der Versuchsgruppe den Film toll fanden, während die anderen 50% nach 10 Minuten nur noch sporadisch hinschauen konnten, weil ihnen schlecht war.

Warum das? Wegen der guten alten Handkamera, in einer Konsequenz eingesetzt, wie man es gerade im Kino nur selten gesehen hat. Bis zur allerletzten Sekunde wackelnde, verschwomme, schnelle Bilder. Ein paar Sekunden der Ruhe nur, wenn die Kamera mal auf den Boden fällt. Wer schon mit der Kameraführung eines Bourne Ultimatum oder Blair Witch Project Probleme hatte, sollte um diesen Film zumindest im Kino einen großen Bogen machen, will er das Eintrittsgeld nicht wenige Minuten nach Vorstellungsbeginn das Klo runterspülen.

Das Monsterszenario unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen ihrer Art, das Monster selbst spielt auch gar keine so große Rolle, und ist nur kurz in voller Pracht zu sehen. Potthässlich das Ding, in positivem Sinne, und ziemlich eigenwillig. Wunderbar gezeichnete Charakterstudien gibt es keine zu bewundern, imposante Musik fehlt völlig, was aber die bombastischen Soundeffekte mehr als wett machen – so muss ein Bass rocken!

Viele Besucher haben sich darüber aufgeregt, der Film würde nicht genügend Informationen liefern. Klar, man erfährt nicht, woher das Monster kommt, was es ist, wie man es besiegen will, wer überlebt und wer stirbt und so weiter. Na und? Gerade das macht diesen Film aus. Man weiß exakt so viel wie die Protagonisten. Hier gibt es keine besorgten Politiker, keine Militärstrategen. hier wird vollkommen am Zuschauer vorbeigehandelt. Das ist beeindruckend. Als die Gruppe der Flüchtigen zum ersten Mal in den Kampf zwischen Monster und Soldaten gerät, hat das eine ungeheuer immersive Dimension. Da spielt auch keine Rolle mehr, ob hier nun ein Monster oder ein Krieg wütet.

Wer sich also auf die für einen solchen Film notwendigen Prämissen einlassen kann und nicht seekrank wird, der wird den mit 85 Minuten erfrischend kurzen Genrefilm Cloverfield vielleicht als einen der intensivsten Kinomomente erleben können.

Dieser kurze Comic fasst das ganze nocheinmal gut zusammen.

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