Alles für meinen Vater

Vor einigen Wochen schon haben wir diesen Film im Kino gesehen, die Kritik kommt aus Zeitgründen aber erst jetzt. Allerdings eine eher kurze, ganz drauf verzichten wollte ich aber auch nicht, dass darf man sich nur bei bekannten Filmen erlauben.

Alles für meinen Vater handelt von einem potentiellen palästinensischen Selbstmordattentäter, der den Status des potentiellen schon fast verlassen hat. Sprich: Der Bombengürtel ist schon dran und Tarek, so sein Name, ist nach einer kurzen Autofahrt auch schon am Ort des Geschehens. Allerdings geht das Attentat schief, weil der Zündschalter kaputt ist. Tarek begibt sich darauf hin zu einem kleinen Laden und bestellt dort einen neuen Schalter. Den wird er aber erst am Sonntag erhalten – viel Zeit um Bekanntschaften mit der israelischen Bevölkerung zu schließen…

Der Attentäter Tarek steht nicht so sehr im Mittelpunkt wie der Mensch Tarek. Zwar vergisst man zu keinem Zeitpunkt, dass Tarek den Sprengstoffgürtel ständig trägt, im Mittelpunkt stehen aber die Dialoge mit der rebellischen Imbissbesitzerin Keren oder dem alten Katz, der seinen Sohn aufgrund der Wasserrationierung der israelischen Armee verloren hat. Generell ist das Wasser ein zentrales Motiv des ganzen Films: Katz dreht auf der Straße alle Hydranten auf und ruft, es gäbe genug Wasser für alle, Tarek staunt über das reine Wasser aus der Leitung, Keren bekommt von orthodoxen Juden ein Glas Wasser ins Gesicht geschüttet und vieles mehr.

Neben dem Wasser stehen natürlich die verschiedenen Typen von Menschen im Vordergrund, insbesondere deren Einstellung zum palästinensischen Nachbarn. Die Palette reicht vom pauschal Terroristen sehenden Polizisten (der ironischer Weise in diesem Fall ja auch recht hat) bis zur an der Nationalität völlig desinteressierten Mutter. Die spielt auch die größte Rolle in der meiner Meinung nach stärksten Szene des Films: Tarek und Keren fahren zur Synagoge, um dort Kerens Eltern zu treffen. Während den beiden von den orthodoxen Juden sehr ablehnende Blicke entgegen kommen, drückt Kerens Mutter ohne weitere Fragen Tarek die Hand und sagt zu ihm „Bitte pass auf meine Tochter auf“. In ihrer Kürze fasst diese Szene die ganze Aussage des Films wunderbar zusammen.

Einige „Zufälle“ wirken zwar ein wenig konstruiert (Handyanruf, Geburtstag, Fußballtrainer…), aber das stört nicht wirklich. Solcher Filme braucht es in diesem Konflikt viel mehr.

Ein sehr empfehlenswerter Film!

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