Michael Clayton

Michael Clayton (George Clooney) nennt sich selbst Aufputzer. Eigentlich ist er Anwalt, tatsächlich aber der Mann fürs Grobe. Trotz siebzehnjähriger Mitarbeit in der namhaften Kanzlei Kenner, Bach & Ledeen’s ist er kein Partner, sondern kümmert sich um jene Dinge, die man im Gerichtssaal nicht regeln kann.

Dass dies nicht immer ganz gesetzeskonform geschieht liegt ganz in der Natur der Sache.

Als nun Staranwalt Arthur Edens (Tom Wilkinson) scheinbar verrückt wird kommt Clayton ins Spiel. Er soll nicht nur den Ruf seiner Kanzlei sondern auch einen der wichtigsten Fälle retten: Eine 3-Milliarden-Dollar-Klage gegen den Chemiekonzern U/North, den Edens eigentlich vertreten sollte. Über den plötzlichen Sinneswandel des Anwalts ist nicht nur seine Kanzlei, sondern auch Karen Crowder (Tilda Swinton), Geschäftsführerin von U/North wenig entzückt, die ihre ganz eigenen Ideen zur Lösung des Problems hat.

Soweit die Ausgangssituation zu einer cleveren Geschichte um Moral, Gewissen und Profit, die durchaus aus dem hollywoodschem Einheitsbrei herausragt. Leider ist Michael Clayton trotzdem kein uneingeschränkter Genuss. Zu Gunsten des Filmes möchte ich hier noch anmerken, dass der Kinobesuch unter dem Vorzeichen leichter Müdigkeit stand, was gerade bei diesem Film durchaus relevant sein könnte.

Durchaus nervig gestalten sich nämlich die ersten zwanzig bis dreißig Minuten des Films. Schuld daran ist einmal die Einführung in das Thema des Films. Die gibt es nämlich zunächst einmal nicht. Stattdessen ist man gezwungen, die Szenen bar jeden Verständnisses über sich ergehen zu lassen. Allerdings: Am Ende ergibt alles einen Sinn, was aus dem vermeintlichen Minus eher ein Plus macht.

Allerdings hat gerade der Anfang noch ein ganz anderes, speziell deutsches Problem. Ich kann mich nicht erinnern, die Stimme von Hans Werner Bussinger schon einmal in einem anderen Film gehört zu haben und möchte mir daher kein generelles Urteil über ihn erlauben. Seine Synchronisation von Tom Wilkinson in Michael Clayton ist aber nicht nur unpassend, sondern regelrecht nervig. Zum Vergleich hier Tom Wilkinson im Original. Klingt meiner Meinung nach viel besser.

Die verkorkste Wilkinson-Synchro also und ein paar andere, nervige, sprechpausenlose Stellen ließen bei mir sogar einen klitzekleinen Moment den Gedanken an vorzeitiges Verlassen des Kinosaales aufkommen – DAS ist wirklich einmalig. Danach wird aber vieles besser. Die Geschichte wird klarer und Arthur Edens spricht nicht mehr so viel.

So richtig in Fahrt kommen will der Film aber trotzdem nicht. Dies liegt begründet in der unaufgeregten, actionlosen Inszenierung. Von Claytons eigentlicher Arbeit sieht man nicht viel. Es ist hauptsächlich dem tollen Schauspiel von George Clooney zu verdanken, dass man dem Charakter seinen inneren Konflikt abkauft. Denn der Familienplot, der stellenweise eingestreut wird soll zwar mehr Informationen über den Aufputzer liefern, ist aber im Endeffekt vollkommen unwichtig.

Nichtsdestotrotz fand ich den Film nicht schlecht. Michael Clayton ist eben eher eine klassische Erzählung, kein Jason Bourne-Thriller. Im Original wahrscheinlich sogar eine Empfehlung wert. Im Gegensatz zu No country for old men – das ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert.

-> Offizielle Webseite mit Trailern und mehr (Der Trailer gibt nicht unbedingt den Stil des Films wieder)

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