Anderland

Zu den bekanntesten Filmen des sowjetischen Regisseurs Andrei Arsenjewitsch Tarkowski gehöhren wohl Der Spiegel, Stalker und Solaris, die ich bislang aber leider immernoch nicht gesehen habe. Wenigstens letzteres ist nun aber auf dem Weg zu mir, die anderen beiden folgen sicherlich bald. Nun ist Anderland aber aus Norwegen, noch dazu Tarkowski schon eine Weile nicht mehr am Schaffen. Der Hinweis auf erneuten Besuch der Schauburg, beseitigt eventuell entstandene Unklarheiten (Der Saal trug zwar den Namen des sowjetischen Regisseurs, konnte mit dessen Qualitäten aber nicht ganz mithalten).

Hier soll es nun aber um Ikea-Kataloge, Oberflächlichkeiten, Werbelächeln und Splatter (Richi kennt die Bedeutung des Wortes Splatter nicht. Aber er übernimmt für mich immer das Korrekturlesen nach dem online stellen des Beitrages, für das ich zu faul bin. Dafür bin ich sehr dankbar und verzeihe ihm seine Unwissenheit.) gehen. Dabei fängt alles mit einem harmlosen Selbstmord an. Denkt man zumindest. Tatsächlich geht es nämlich in einer Wüste los, in die der ahnunglose Andreas als einziger Passagier eines großen Busses gebracht wird. Dort angekommen, wird er von einem Tankstellenbesitzer begrüßt, der für den Neuankömmling zwar extra ein Willkommensschild aufgehängt, jenes aber auch gleich wieder vor Andreas Augen abgenommen hat.

Nachdem Andreas seine neue Wohnung bezogen und seine Arbeit angetreten hat, merkt er schnell, was ihn an dieser unbekannten Stadt so befremdet: Hier gibt es keine Emotionen. Die Menschen sind zwar oberflächlich freundlich, aber mehr nicht – ganz wie in der Werbung. Das einzige echte Interesse gilt der Innenarchitektur, Tod und Schmerz kennt man nicht. Um dies zu verdeutlichen greift Regisseur Jens Lien zu Mitteln, die man eher in einschlägigeren Filmen vermuten würde. Da gibt es einen sprudelnd blutenden abgehackten Daumen, ausquellende Gedärme und mehr.

Was unpassend klingt, wirkt im Gegenteil noch verstärkender auf die eingenartige, kalte und fremde Stimmung, die der Film ausstrahlt. Die Elemente der Satire vermischen sich so mit einer fast dystopischen Erzählung, die, getragen von der Musik, auch ein wenig an eine Fantasiegeschichte erinnert.

Seine besten Momente hat der Film dann, wenn die Gefühlsleere der Anderländer voll ausgespielt wird. Höhepunkte sind hiervor allem Andreas Gespräch mit seiner Freundin, in der er bekannt gibt, sie verlassen zu wollen und das anschließende Dinner mit seiner neuen Angebeteten.

Doch leider kann dieses hohe Niveau der Kälte nicht immer gehalten werden, in einigen Szenen verschwindet so der Unterschied zwischen Andreas und den Anderen zu stark, der einzelne und seine Umwelt werden wieder Eins miteinander, Liens Kritikansatz verliert sich. Hier wäre noch Potential für deutlich mehr surreale Absurditäten gewesen.

An Perfektion hingegen grenzt die Inszenierung. Langsame, unheimlich genaue Kamerafahrten zeigen uns die namenlose Stadt, in der alles immer sauber ist, in der es nie regnet, die eben perfekt ist. Perfekt und tot. Jede Szene ist eine absolut sehenswerte Komposition, selbst in der öden Wüste entstehen Eindrücke, die eines Sergio Leone würdigs sind.

Anderland ist ein sehr guter Film mit einigen wenigen Schwächen, die nicht zu stark ins Gewicht fallen. Sehenswert.

-> Offizielle Webseite
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