2012 – Eine Kritik oder so

Wenn man sich einen Film wie 2012 anschaut, dann erwartet man von vornherein keine ausgefeilte Geschichte oder tiefgründige Charakterstudien. Unkomplizierte Unterhaltung genügt vollauf. Der neueste Katastrophen-Blockbuster stammt von Ronald Emmerlich, der auch schon für The Day After Tomorrow, Gunther und drüber, Godzilla, Zauberhafte Heimat und oben erwähntes Independece Day verantwortlich zeigte.

Es geht mal wieder ums Ganze – unsere liebe Erde ist in Gefahr. Die Biene Maya hat das schon vor zigtausend Jahren gewusst. Ob sie es dem Willy gesagt, wissen wir nicht, aber zumindest hat sie es in den Kalender eingetragen. Irgendwann haben dann auch ein paar moderne Wissenschaftler (übrigens outgesourct nach Indien) mitbekommen, dass mutierte Sonnenionen den Erdkern schmelzen. Au weia! Jetzt gilts schnell ein paar Archen zu bauen und viele reiche Leute drauf zu schaufeln.

Das hört sich recht bescheuert an, könnte aber trotzdem Spaß machen. Macht es auch. Etwa zwanzig Minuten lang. Die zwanzig Minuten, in denen alles kaputt geht. Die versinkenden Städte und der Riesenvulkan sind schon recht beeindruckend. Der Rest des Films aber ist einfach unerträglich. Schon die halbstündige Einführung geht gründlich schief. Zu keiner der Figuren kann man in irgendeiner Art ein Verhältnis der Sympathie aufbauen, weil sie entweder schon unsympathisch angelegt sind, oder aber ihre Handlungen total aufgesetzt wirken. Allein der reiche Russe geht einem schon so auf die Nerven, dass man ihm einen schnellen „dramaturgischen Abgang“ wünscht. Auch die anderen Handlungsträger sind nicht viel besser. Keiner, der einem wirklich am Herzen liegt – die einzige Sympathieszene war für mich der Anruf des Jazzmusikers bei seiner Enkelin.

Am schlimmsten ist aber, dass der Film über weite Strecken noch nicht einmal aussieht wie eine 43 Bazillionen-Dollar-Produktion. Die Kameraführung wirkt wie aus einem der grässlichen ARD-Mittwochs- oder RTL-Katastrophenfilme, die Schauspieler schauspielern nicht und sogar die Spezialeffekte hat man schon besser gesehen. Und: Das Ende ist so inkonsequent und kitschig, dass einem übel wird.

Dann lieber mit ein paar Kumpels nochmal Independence Day anschauen. Der hatte zwar auch eine hanebüchene Story mit genretypischen eindimensionalen Charakteren, verpackt das aber wenigstens gut und nimmt sich selbst nicht wirklich Ernst.

Bogen drum machen!

PS: Ich wünsche mir einen Film mit gut eingeführten Charakteren, die einem wichtig sind. Die müssen am Ende dann alle durch die von Menschenhand gemachte Katastorphe sterben. So ein richtiger Tritt in den Magen des Zuschauers.

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3 Antworten auf 2012 – Eine Kritik oder so

  1. Koloradokäfer sagt:

    Gunther Emmerlich hätte doch den Russen spielen können. 🙂

  2. Sam sagt:

    (heißt das nicht eigentlich Ein_en_ Kommentar schreiben oder ist es inzwischen ein sachliches Kommentar…)
    Aber zum Thema: Ich fand einige Szenen durchaus lustig. Schade nur, dass man sich an die meißten kleinen Gags im Nachhinein nich mehr erinnert. Einer fällt mir aber spontan noch ein:
    Kurz bevor sich die Erde bewegt schaut eine Familie Fernsehn, wo gerade eine Ansprache von Arnold Schwarzenegger zu hören ist, der die Massen beschwichtigt. Als dann ein Mann anruft und der Familie klar macht, dass man von einem Schauspieler nichts anderes erwarten kann, muss man spontan schon mal lachen, …. oder?

  3. onkelerika sagt:

    Ja, die Szene mit Arnie war schon ganz amüsant. Aber das ändert ja überhaupt nichts am Gesamtwerk. Dieser Film ist doch so dumm. Trotz aller Zerstörung fühlt man sich zu keinem Zeitpunkt bedroht. Man muss sich das mal überlegen: Da stirbt der neue Mann und Vater der Familie und keinen interessiert es. Zwei andere Kinder verlieren ihren Vater und keinen interessiert es. Eine Frau, die gerade ihren Freund verloren hat (was keinen interessiert), ertrinkt unerklärlich neben den anderen Figuren und keinen interessiert es. Eine Flutwelle überschwemmt den Himalaya. Da sind grad Milliarden von Menschen gestorben und das interessiert ist dem Film scheißegal.

    Mit Gunther Emmerlich hätten sie wenigstens eine sympathische Figur gehabt 😉

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